Wer nach NetSuite Modulen sucht, will meist wissen, welche Funktionen und Anwendungen in Oracle NetSuite stecken, bevor ein Angebot eingeholt wird. NetSuite ist eine Cloud-ERP-Suite: Finanzen, Auftragsabwicklung, Einkauf, Lager, Fertigung, CRM, Projekte und Personal laufen auf einer gemeinsamen Datenbasis. Ein klassisches Modulpaket, das Sie Stück für Stück zusammenkaufen, ist das nur bedingt. Was Sie nutzen, wird im Vertrag und im Projekt festgelegt.
Diese Seite führt Sie durch die Bereiche, nennt die Bezeichnungen aus der Oracle-Dokumentation und trennt, was NetSuite im Kern liefert und wo ein SuiteApp, eine Erweiterung oder ein Partner nötig wird. Für österreichische Betriebe kommt ein zweiter Blick hinzu: Was davon trägt die heimischen Anforderungen, und was muss im Projekt ergänzt werden?
Wie NetSuite seine Funktionen gliedert
Die Dokumentation sortiert den ERP-Teil nach Arbeitsbereichen. Das Verzeichnis der Benutzerhandbücher nennt unter anderem Buchhaltung und Banking, Auftragsverwaltung, Lager und Versand, Fertigung, Lieferanten, Einkauf und Wareneingang (SuiteProcurement), Field Service Management, Vertrieb, Marketing und allgemeines CRM, SuiteAnalytics, Mitarbeiter- und Lohnverwaltung, WMS, NetSuite CPQ, SuiteCommerce, SuiteCommerce InStore, NetSuite Point of Sale und NetSuite für Mobilgeräte.
Für die Auswahl heißt das: Ein Teil dieser Bereiche gehört zum ERP-Kern, ein anderer Teil sind eigene Produkte oder Lizenzbausteine. Fragen Sie jeden Bereich, den Sie brauchen, einzeln ab. Eine Übersicht über die Editionen finden Sie unter NetSuite Versionen und Editionen.
Übersicht: Bereich und Modul auf einen Blick
| Bereich | Bezeichnung in NetSuite | Einordnung |
|---|---|---|
| Finanzen | Accounting, Banking, Tax, Fixed Assets | Kernfunktion |
| Mehrere Gesellschaften | NetSuite OneWorld | Eigene Ausprägung für Konzerne |
| Auftragsabwicklung | Customer Order Management | Kernfunktion |
| Lager und Artikel | Items and Inventory, WMS | Kern; WMS als eigener Baustein |
| Einkauf | Purchasing and Receiving, SuiteProcurement | Kernfunktion |
| Fertigung | Manufacturing, Advanced Manufacturing | Kern plus SuiteApp |
| Bedarfsplanung | NetSuite Demand Planning | Setzt Advanced Inventory Management voraus |
| Vertrieb und Marketing | Sales Automation, Marketing Automation, CPQ | CRM-Funktionen; CPQ als eigener Baustein |
| Projekte | Project Management | Kernfunktion |
| Personal | SuitePeople, Paycheck Journal | Teils US-spezifisch |
| Webshop und Kasse | SuiteCommerce, NetSuite Point of Sale | Eigene Commerce-Lösungen |
| Auswertung | SuiteAnalytics | Reporting und Analyse |
| Mobil | NetSuite für Mobilgeräte | Eigene App |
Finanzen und Buchhaltung
Das Herzstück ist die Buchhaltung. Laut Dokumentation umfasst das Accounting-Modul Buchungsperioden, die Führung der Bücher, Bankfunktionen, Währungen, Journalbuchungen, den Kontenplan, Finanzberichte, Erlösrealisierung, Steuern, Anlagevermögen, statistische Buchhaltung und Mehrbuchführung.
Für Österreich bedeutet das: Das Gerüst für Kontenplan, Steuern, Anlagen und Periodenabschluss ist vorhanden. Wie die Umsatzsteuer-Voranmeldung, die Kontenzuordnung nach dem heimischen Rechnungswesen oder der Datenaustausch mit dem Steuerberater abgebildet werden, ist Projektarbeit. Viele Betriebe arbeiten hier mit BMD beim Steuerberater zusammen und brauchen deshalb eine saubere Schnittstelle. Details zur Buchhaltung finden Sie auf Buchhaltung und Finanzen in NetSuite.
Mehrere Gesellschaften mit OneWorld
Hat Ihre Gruppe Töchter in verschiedenen Ländern, ist NetSuite OneWorld der relevante Teil. Er führt mehrere Tochtergesellschaften mit unterschiedlichen Steuerjurisdiktionen und Währungen in einem Konto, organisiert in einer Hierarchie. Jede Gesellschaft ist eine eigene juristische Einheit mit eigenem Nexus und mindestens einem Standort, und jede hat eine Basiswährung.
Transaktionen laufen in lokaler und in fremder Währung, auch zwischen den Gesellschaften. Berichte rechnen in die Währung der Tochter, der Muttergesellschaft oder der obersten Konzerngesellschaft um. Dazu kommen konsolidierte Abschlüsse, Vergleiche nebeneinander in Dashboards, erweiterte Intercompany-Buchungen und die Eliminierung von Zwischengewinnen. Für eine österreichische Gruppe mit Töchtern in Deutschland oder Osteuropa ist das ein wichtiges Kriterium.
Auftragsabwicklung, Lager und Einkauf
Die Auftragsabwicklung (Customer Order Management) reicht von der Auftragserfassung über die Ausführung mit Kommissionierung und Versand bis zur Fakturierung. Sie bildet damit den Weg vom Kundenauftrag zur Rechnung ohne Systembruch ab.
Unter »Items and Inventory« bündelt die Dokumentation die Lagerverwaltung, Artikelstammdaten, Versandarten, Barcodes und die Fertigung. Wer ein Lagerverwaltungssystem auf Platzebene braucht, schaut zusätzlich auf WMS, das im Verzeichnis als eigener Bereich geführt wird. Mehr zur Praxis lesen Sie unter Lager und Einkauf in NetSuite.
Der Einkauf (Purchasing and Receiving) umfasst Bestellungen, Lieferantenstammdaten, Eingangsrechnungen und Lieferantenzahlungen, Bedarfsanforderungen, Freigabe-Routing und Spesenabrechnung. Das Freigabe-Routing ist für Betriebe interessant, in denen Bestellungen nach Hierarchie oder Kostenstelle genehmigt werden müssen.
Bedarfsplanung
NetSuite Demand Planning setzt die aktivierte erweiterte Lagerverwaltung (Advanced Inventory Management) voraus. Es berechnet Bedarfspläne mit linearer Regression, gleitendem Durchschnitt, saisonalem Durchschnitt, Absatzprognose oder dem laufenden Bedarf aus Chancen, Angeboten und Aufträgen. Daraus entstehen Beschaffungspläne, die Lieferzeiten und Sicherheitsbestände berücksichtigen. Die Funktionen verarbeiten höchstens 10 000 Artikel auf einmal. Bei Baugruppen deckt der Beschaffungsplan alle Komponenten und Rohstoffe über mehrere Fertigungsstufen ab.
Fertigung
Die Fertigung von NetSuite besteht aus Baugruppenartikeln, Fertigungsaufträgen für Baugruppen, einer erweiterten Stückliste (BOM), der Verfolgung des Fertigungsfortschritts (WIP) von der Materialentnahme bis zur Einlagerung der Fertigware und dem Arbeitsplan-Routing, mit dem Arbeitsgänge über mehrere Schichten oder Arbeitsplätze geplant und erfasst werden.
Das SuiteApp Advanced Manufacturing erweitert das Routing um Arbeitsanweisungen, die Erfassung des Materialverbrauchs, Ressourcenplanung und geplante Start- und Endtermine. Dokumentiert sind außerdem Manufacturing Mobile für die Erfassung per mobilem Scanner, Lohnfertigung, technische Änderungsaufträge (ECO) und eine SuiteAnalytics-Arbeitsmappe für die Fertigung. Wer eine Fertigung mit komplexen Stücklisten betreibt, sollte die Reichweite dieser Bausteine mit dem Integrator an echten Aufträgen durchspielen. Vertiefung: Fertigung und Produktion mit NetSuite.
Vertrieb, CRM und Angebote
Der Leitfaden »Sales, Marketing, and General CRM« umfasst Vertriebsautomatisierung, Marketingautomatisierung, Supportverwaltung und Partner. NetSuite CPQ (Configure Price Quote) ergänzt einen Konfigurator, einen Angebotsgenerator und geführtes Verkaufen. Das ist vor allem für Unternehmen sinnvoll, die erklärungsbedürftige oder variantenreiche Produkte verkaufen.
Ob das integrierte CRM den Vertriebsalltag trägt oder ob Sie ein bestehendes CRM anbinden, ist eine eigene Entscheidung. Mehr dazu unter Vertrieb und CRM in NetSuite.
Projekte und Dienstleistungen
Das Projektmanagement verwaltet Projektaufgaben und Ressourcen. Zusammen mit Zeiterfassung, Spesen und Fakturierung entsteht der Kreis, den Agenturen, Beratungen und technische Dienstleister brauchen. Field Service Management steht als eigener Bereich im Verzeichnis und richtet sich an Betriebe mit Einsätzen beim Kunden.
Prüfen Sie hier, wie detailliert Ihre Leistungsabrechnung sein muss, etwa bei Pauschalen, Aufwand oder Meilensteinen. Die Antwort entscheidet, ob die Standardfunktionen genügen oder ob Erweiterungen eingeplant werden.
Personal und Lohn
Das Feld »Employee and Payroll Management« umfasst die Mitarbeiterverwaltung, die Lohnverarbeitung, SuitePeople als integrierte HR-Lösung, Zeiterfassung, Spesen und Bedarfsanforderungen. SuitePeople besteht aus drei Teilen:
- SuitePeople HR mit Self-Service für Mitarbeitende und Führungskräfte
- SuitePeople Workforce Management für Dienstpläne, Zeit und Anwesenheit sowie Lohnberechnung
- SuitePeople U.S. Payroll als integrierte Lohnverrechnung
SuitePeople HR bietet unter anderem Zielvereinbarungen und Beurteilungsgespräche, Urlaubsverwaltung, zeitlich gültige Personalakten, Änderungsanträge mit Genehmigung, Vergütungsverfolgung, Verzeichnis und Organigramm, HR-Analysen zu Personalstand und Fluktuation sowie Ein- und Austrittspläne.
Wichtig für Österreich: Die integrierte Lohnverrechnung ist für die USA gebaut. Für andere Länder dient Paycheck Journal, das eine externe Lohnlösung per SOAP-Webservice einbindet oder eine Eigenentwicklung mit SuiteScript aufnimmt. Die Funktion richtet sich an Partner, nicht an Kunden, die ohne Partnerlösung für die Lohnverrechnung starten wollen. In einem OneWorld-Konto können beide Wege nebeneinander bestehen: US-Töchter über SuitePeople U.S. Payroll, alle anderen über Paycheck Journal. Für österreichische Dienstnehmer planen Sie also eine angebundene Lohnsoftware oder die Verrechnung über den Steuerberater ein. Mehr dazu: Lohn und Personal in NetSuite.
Webshop, Kasse und Mobil
Die Commerce-Dokumentation kennt vier Siteformen: SuiteCommerce MyAccount für die Kundenkontoverwaltung, SuiteCommerce als vollständige E-Commerce-Lösung, SuiteCommerce Advanced mit Zugriff auf den gesamten Quellcode und Site Builder als ältere, gebrauchsfertige Lösung. Alle eignen sich für B2B und B2C, unterstützen mehrere Marken, Sprachen und Währungen sowie die Site Management Tools (SMT). SuiteCommerce und SuiteCommerce Advanced bieten Facettensuche, Themes, mobile Anpassung und ein CDN. SuiteCommerce Advanced erhält neue Versionen automatisch.
Im Handel vor Ort nennt die Dokumentation SuiteCommerce InStore, eine webbasierte Kassenanwendung mit Touch-Oberfläche auf dem Tablet, die für den US-Markt ausgelegt ist, und NetSuite Point of Sale (NSPOS) als Kasse im Geschäft. Für österreichische Läden mit Barumsätzen ist die Registrierkassenpflicht der entscheidende Prüfpunkt. Ob eine NetSuite-Kasse sie erfüllt oder ob eine zertifizierte Kassenlösung angebunden wird, klären Sie vor der Entscheidung. Hintergrund finden Sie unter Registrierkassenpflicht und ERP.
Auswertung und Berichte
SuiteAnalytics ist als eigener Bereich geführt und liefert Berichte, Suchen und Dashboards über alle Bereiche hinweg. Weil Finanzen, Lager und Vertrieb eine Datenbasis teilen, entfällt das Zusammenführen von Exportdateien. Was Ihre Geschäftsführung monatlich sehen soll, legen Sie am besten vor dem Projektstart als Kennzahlenliste fest.
Was österreichische Unternehmen zusätzlich klären
Die Modulliste sagt noch nichts darüber, wie gut ein Bereich zu den österreichischen Pflichten passt. Drei Punkte gehören in jedes Pflichtenheft:
- E-Rechnung: Wie Rechnungen strukturiert gesendet und empfangen werden, klären Sie anhand von E-Rechnung und ERP in Österreich.
- Steuerberater-Schnittstelle: Buchungsdaten müssen oft in einem Format übergeben werden, das der Steuerberater weiterverarbeitet.
- Anbindung von Drittsystemen: Lohn, Kasse, Zahlungsverkehr und Webshop laufen häufig über Zusatzsoftware. Wie das technisch gelöst wird, steht unter Schnittstellen zu NetSuite.
Die Ausgangslage in Österreich beschreibt NetSuite in Österreich. Wer zusätzlich Kosten einordnen will, findet die Logik auf NetSuite Preise.
So gehen Sie bei der Modulauswahl vor
- Prozesse statt Modulnamen sammeln: Beschreiben Sie, was vom Angebot bis zur Zahlung heute passiert.
- Kern, SuiteApp und Partner trennen: Fragen Sie bei jeder Funktion, ob sie im Standard liegt oder zugekauft wird.
- Österreich-Themen priorisieren: Lohn, E-Rechnung, Kasse und Steuerberater zuerst klären.
- Mit echten Daten prüfen: Lassen Sie typische Aufträge, Stücklisten und Abrechnungen vorführen.
Welcher Integrator diese Prüfung begleiten kann, erfahren Sie unter den richtigen NetSuite-Integrator wählen. Wir vermitteln Ihnen kostenlos einen passenden Integrator, der Ihr Projekt dann umsetzt.
Häufige Fragen
Welche Module hat NetSuite?
NetSuite deckt Buchhaltung und Banking, Auftragsabwicklung, Lager und Artikel, Fertigung, Einkauf, Vertrieb und CRM, Projektmanagement, Personal sowie Analyse und Reporting ab. Dazu kommen Commerce-Lösungen für Webshop und Kasse sowie eine mobile Anwendung. Welche Funktionen Ihr Unternehmen tatsächlich freischaltet, hängt vom Vertrag und vom Projektumfang ab.
Ist die Lohnverrechnung für Österreich in NetSuite enthalten?
Die integrierte Lohnlösung SuitePeople U.S. Payroll ist auf US-Gesellschaften ausgelegt. Für Länder außerhalb der USA gibt es die Funktion Paycheck Journal, die eine externe Lohnlösung per Webservice anbindet oder eine individuelle Lösung aufnimmt. In Österreich lösen Unternehmen die Lohnverrechnung deshalb meist über eine externe Software oder den Steuerberater und binden sie an.
Kann NetSuite mehrere Gesellschaften und Währungen verwalten?
Ja, mit NetSuite OneWorld. Mehrere Tochtergesellschaften mit unterschiedlichen Steuerjurisdiktionen und Währungen werden in einem Konto in einer Hierarchie geführt. Konsolidierte Abschlüsse, Intercompany-Buchungen und die Eliminierung von Zwischengewinnen sind vorgesehen.
Brauche ich für Fertigung ein Zusatzmodul?
Die Grundfunktionen der Fertigung wie Baugruppen, Fertigungsaufträge, erweiterte Stücklisten, Fertigungsfortschritt und Arbeitsplan-Routing gehören zur Fertigungsfunktion von NetSuite. Für Arbeitsanweisungen, Materialverbrauch und Ressourcenplanung kommt das SuiteApp Advanced Manufacturing hinzu. Die Bedarfsplanung setzt zusätzlich die erweiterte Lagerverwaltung voraus.
Wie gehen österreichische Besonderheiten wie E-Rechnung oder Registrierkasse mit NetSuite?
Die Standardmodule beschreiben diese Anforderungen nicht von sich aus für Österreich. E-Rechnung, Registrierkassenpflicht und die Abstimmung mit BMD oder dem Steuerberater klären Sie im Projekt mit dem Integrator, meist über Erweiterungen oder angebundene Spezialsoftware. Legen Sie diese Punkte schon im Lastenheft fest.
Quellen
- Oracle NetSuite Help – ERP-Übersicht
- Oracle NetSuite Help – Verzeichnis der Benutzerhandbücher
- Oracle NetSuite Help – SuitePeople
- Oracle NetSuite Help – Paycheck Journal
- Oracle NetSuite Help – OneWorld
- Oracle NetSuite Help – Fertigung
- Oracle NetSuite Help – Demand Planning
- Oracle NetSuite Help – Commerce
- Oracle NetSuite Help – Commerce, Point of Sale
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