Wer SAP Business One im Betrieb hat, stellt früher oder später dieselbe Frage: An wen wende ich mich, wenn etwas nicht funktioniert, und wer kümmert sich darum, dass das System mit dem Unternehmen mitwächst? Der Support für SAP Business One ist kein einzelner Vertrag, sondern ein Zusammenspiel aus der Wartung durch SAP und der Betreuung durch Ihren Integrator. Wer die Grenze zwischen beiden kennt, vermeidet Streit über Zuständigkeiten und zahlt nicht doppelt.
Diese Seite richtet sich an Geschäftsführer, Finanzleiter und IT-Verantwortliche österreichischer KMU. Sie erklärt, was die Wartung von SAP Business One umfasst, was ein Betreuungsvertrag (die sogenannte TMA, also Tierce Maintenance Applicative) regeln sollte und worauf Sie beim Wechsel des Dienstleisters achten.
Zwei Ebenen: Herstellerwartung und Integrator-Support
SAP vertreibt Business One über ein Partnernetz. Laut SAP sind es 850 Partner, dazu kommen mehr als 500 Erweiterungen für Branchen und Länder. Diese Konstruktion prägt den Support: SAP liefert die Software und pflegt sie, der Partner kennt Ihr System.
| Aufgabe | Wer ist zuständig? |
|---|---|
| Neue Funktionen, Korrekturen, Sicherheitspatches | SAP |
| Rechtliche Aktualisierungen der Standardsoftware | SAP |
| Hilfe bei Systemstillstand außerhalb der Bürozeiten | SAP, laut Herstellerangabe rund um die Uhr |
| Bedienfragen Ihrer Mitarbeitenden | Integrator |
| Störungen durch Konfiguration, Berechtigungen, Berichte | Integrator |
| Kleine Anpassungen und Workflows | Integrator |
| Eigene Entwicklungen und Schnittstellen | Integrator oder Entwicklungspartner |
| Einspielen und Testen von Updates in Ihrer Umgebung | Integrator, bei Cloud-Betrieb teils der Hoster |
Die Faustregel: Alles, was die Standardsoftware betrifft, gehört zur Herstellerwartung. Alles, was Ihre Einstellungen, Ihre Daten und Ihre Zusatzentwicklungen betrifft, ist Sache des Integrators.
Was die SAP-Wartung abdeckt
Mit einem gültigen Wartungsvertrag erhalten alle Kunden laut SAP die Versions-Upgrades kostenlos. Hinzu kommt ein klarer Lieferrhythmus, der seit der Version 10.0 aus April 2020 gilt:
- Feature Packages bringen Neuerungen und sind kumulativ aufgebaut. Die Schnittstellen bleiben zwischen der Hauptversion und den Feature Packages stabil.
- Support Packages liefern Korrekturen, Sicherheitspatches und rechtliche Aktualisierungen.
- Patches sind kumulativ und gelten für SAP Business One Cloud und zugehörige Produkte.
- Hotfixes sind nur Übergangslösungen außerhalb des normalen Zyklus und kein Ersatz für ein reguläres Update.
Wichtig ist der Umkehrschluss: Für alte Feature Packages, Support Packages, Patches oder Hotfixes liefert SAP weder Korrekturen noch Sicherheitspatches. Wer lange nicht aktualisiert, steht also ohne Schutz da, auch wenn der Wartungsvertrag formal läuft.
Wartungsfenster der Versionen
SAP garantiert pro Versionsfamilie mindestens fünf Jahre Standardwartung, gerechnet ab der allgemeinen Verfügbarkeit der Hauptversion. Nach der Wartungsseite von SAP gilt derzeit:
| Version | Stand der Standardwartung |
|---|---|
| 10.0 | läuft bis zum 31. Dezember 2028 (Änderungen vorbehalten) |
| 8.8, 8.81, 8.82, 9.0, 9.1, 9.2, 9.3 | Standardwartung beendet |
| 11 | angekündigt als Nachfolger von 10, ohne Termin |
Eine erweiterte Wartung gibt es für Business One nicht. Sobald eine neue Versionsfamilie verfügbar ist, endet die Wartung der vorherigen. Für Ihre Planung heißt das: Ein Versionswechsel ist kein Sonderfall, sondern Teil des Lebenszyklus. Mehr zu den Ständen finden Sie auf der Seite zu Versionen und Editionen von SAP Business One.
Was der Integrator leistet: Applikationssupport und TMA
Die Herstellerwartung hält die Software aktuell. Ob Ihr Einkauf morgens bestellen kann, Ihre Buchhaltung den Monatsabschluss schafft und der Außendienst die richtigen Preise sieht, entscheidet die Betreuung vor Ort. Ein guter Betreuungsvertrag unterscheidet drei Bausteine.
1. Störungsbehebung (Support im engeren Sinn)
Hier geht es um alles, was nicht wie vorgesehen läuft: eine blockierte Buchung, ein fehlerhafter Beleg, ein Bericht mit falschen Summen, eine Schnittstelle, die nicht mehr liefert. Der Integrator analysiert, behebt oder eskaliert an SAP, wenn ein Fehler in der Standardsoftware liegt.
2. Anwenderbetreuung
Neue Mitarbeitende, wechselnde Aufgaben, vergessene Abläufe: Ein Teil der Tickets sind keine Fehler, sondern Wissenslücken. Wer das dem Vertrag zuordnet, spart interne Zeit. Wer die Einarbeitung strukturiert angehen will, findet Ansätze auf der Seite zur Schulung für SAP Business One.
3. Weiterentwicklung
Aus dem Betrieb entstehen laufend neue Wünsche: ein zusätzliches Feld, eine Freigabe, ein neuer Bericht für den Steuerberater, eine Anbindung an einen Webshop. Das ist klassische TMA mit Evolutionsanteil. Größere Vorhaben gehören in ein eigenes Projekt, etwa eine Individualentwicklung für SAP Business One oder eine neue Schnittstelle.
Der Zugang für den Integrator: Lizenz und Sicherheit
Bei der lokal betriebenen Version legt SAP bei der Installation einen Support-Benutzer an. Er erlaubt es dem Personal des Partners, sich anzumelden, ohne eine Lizenz zu verbrauchen. Er ist standardmäßig gesperrt, wird protokolliert, und die Anmeldung wird verweigert, wenn die Remote Support Platform in den letzten sieben Tagen keine Übertragung durchgeführt hat.
Außerdem erlaubt der Lizenzleitfaden dem Benutzer „Manager“ zwei getrennte Windows-Sitzungen, ohne dass die erste gesperrt wird. Gedacht ist das für geplante Aufgaben wie Reporting oder Importe und dafür, dass ein Berater sich ohne eigene Lizenz anmelden kann. Eine produktive Doppelnutzung ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Klären Sie mit Ihrem Integrator, wie er auf Ihr System zugreift, und halten Sie das schriftlich fest. Das schützt Sie auch bei einer späteren Lizenzprüfung.
Was ein Support-Vertrag regeln sollte
Vertragsangebote unterscheiden sich stark. Diese Punkte sollten in jedem Angebot beantwortet sein:
- Leistungsumfang: Was ist Störung, was ist Änderungswunsch, was ist Beratung? Die Abgrenzung entscheidet über die Rechnung.
- Servicezeiten: Zu welchen Zeiten ist der Support erreichbar, und wie läuft eine dringende Meldung außerhalb davon?
- Reaktions- und Lösungszeiten je Priorität, mit klar definierter Priorisierung (Systemstillstand, eingeschränkte Funktion, Komfortfrage).
- Kommunikationswege: Ticketsystem, Telefon, Fernwartung, fester Ansprechpartner.
- Eskalation: Wer entscheidet beim Integrator, wenn eine Störung länger dauert? Wann wird SAP einbezogen?
- Updates: Wer plant, testet und spielt Support Packages und Feature Packages ein? Gibt es eine Testumgebung?
- Dokumentation: Wird jede Änderung nachvollziehbar festgehalten, und gehört Ihnen diese Dokumentation?
- Berichtswesen: Regelmäßige Auswertung der Tickets, damit wiederkehrende Ursachen sichtbar werden.
- Laufzeit und Kündigung: Mindestlaufzeit, Fristen und Übergabepflichten bei Beendigung.
Bei Betrieb in der Cloud kommt ein weiterer Vertragspartner hinzu. Wer für Backups, Verfügbarkeit und Patches zuständig ist, sollten Sie getrennt prüfen, siehe SAP Business One in der Cloud und Hosting.
Österreich: Was die Betreuung zusätzlich leisten muss
Ein Support-Vertrag in Österreich muss mehr abdecken als die reine Technik. Typische Themen aus dem Alltag österreichischer Betriebe:
- E-Rechnung: Wenn Ausgangs- oder Eingangsrechnungen elektronisch verarbeitet werden, muss der Integrator Formate, Schnittstellen und Änderungen bei Anforderungen im Griff haben. Hintergründe liefert der Ratgeber zur E-Rechnung im ERP.
- Registrierkasse und RKSV: Hängen Kassen am System, etwa im Handel oder in der Gastronomie, gehört die Anbindung zum Supportumfang. Auf die Anforderungen geht der Beitrag zur Registrierkassenpflicht und RKSV ein.
- Zusammenarbeit mit dem Steuerberater: Viele Betriebe tauschen Daten mit der Kanzlei aus, teils über BMD oder andere Lösungen. Exportformate und Kontenrahmen müssen nach Updates weiter passen.
- Lokale Besonderheiten: Wie SAP Business One auf österreichische Gegebenheiten eingestellt wird, beschreibt die Seite zu SAP Business One in Österreich.
Fragen Sie im Angebot gezielt nach, wer rechtliche Anpassungen prüft und einspielt. SAP liefert die Standardaktualisierungen, ob sie in Ihrem Mandanten korrekt wirken, bestätigt aber nur jemand, der Ihre Konfiguration kennt.
Updates planen statt aufschieben
Die meisten Wartungsprobleme entstehen nicht durch Fehler, sondern durch aufgeschobene Updates. Zwei Regeln von SAP machen das zum Thema:
- Direkte Versionssprünge sind nur zwischen aufeinanderfolgenden Versionen möglich, etwa von 9.3 auf 10.0. Wer mehrere Versionen übersprungen hat, braucht mehrere Etappen.
- Für ältere Stände gibt es keine Korrekturen und keine Sicherheitspatches mehr.
Ein vernünftiger Updateplan hat deshalb feste Bestandteile: eine Testumgebung mit realistischen Daten, eine Freigabe durch die Fachabteilung, ein Zeitfenster außerhalb der Abschlussphasen und einen Rückfallplan. Läuft Ihr System auf einer Version, die ihre Standardwartung beendet hat, ist das kein Support-Thema mehr, sondern ein Projekt. Dann hilft die Seite zur Migration von SAP Business One.
Budget: Womit Sie rechnen sollten
Konkrete Preise nennen wir hier nicht, weil sie vom Umfang, der Zahl der Benutzer und vom Integrator abhängen. Hilfreich ist eine Gliederung der Kostenarten, die Sie in Angeboten vergleichen:
| Kostenart | Charakter |
|---|---|
| Herstellerwartung an SAP | laufend, abhängig von Lizenzen |
| Betreuungsvertrag des Integrators | laufend, als Pauschale, Stundenkontingent oder nach Aufwand |
| Updates und Tests | je Update, oft über das Kontingent |
| Weiterentwicklung | projektbezogen |
| Hosting, falls Cloud | laufend, getrennt vom Support |
| Interne Zeit | oft unterschätzt: Tests, Freigaben, Ansprechpartner |
Pauschalen schaffen Planbarkeit, bergen aber das Risiko, dass vieles als „außerhalb des Umfangs“ gilt. Ein Stundenkontingent ist flexibel, verlangt aber Disziplin bei der Auswertung. Rechnen Sie das Gesamtbild gegen Ihre Lizenzkosten, die Sie auf der Seite zu den Preisen von SAP Business One einordnen können.
Den Support-Partner wechseln
Ein Wechsel ist kein Zeichen von Scheitern. Gründe sind etwa schlechte Erreichbarkeit, fehlendes Branchenwissen, ein Ansprechpartnerwechsel beim Dienstleister oder ein Projekt, das den bisherigen Partner überfordert. So gehen Sie vor:
- Ist-Zustand erfassen. Ein Audit und eine Projektübernahme für SAP Business One dokumentieren Version, Erweiterungen, Schnittstellen, offene Punkte und Risiken.
- Unterlagen einfordern. Dokumentation, Berechtigungskonzept, Quellcode eigener Entwicklungen, Zugangsdaten für Systeme und Schnittstellen. Prüfen Sie im Vertrag, was Ihnen zusteht.
- Kündigungsfristen prüfen und den Übergang überlappend planen, damit keine Lücke entsteht.
- Neuen Partner auswählen. Kriterien liefert die Seite zur Auswahl eines Integrators für SAP Business One; allgemeine Hinweise stehen im Ratgeber ERP-Integrator finden.
- Parallelphase vereinbaren, in der der neue Partner Tickets übernimmt und der alte noch Fragen beantwortet.
- Zugänge neu ordnen. Support-Benutzer und Fernwartungszugänge des alten Partners werden gesperrt oder gelöscht.
Wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen, vermitteln wir Ihnen kostenlos Integratoren, die zu Ihrem Vorhaben passen. Wie das abläuft, steht unter So funktioniert es. Der Integrator erbringt die Leistung selbst, wir sind nicht an SAP gebunden und keine Vertragspartei Ihres Supportvertrags.
Checkliste für das Gespräch mit dem Integrator
- Welche Version und welches Feature Package laufen bei uns, und wie lange ist die Standardwartung noch gesichert?
- Wer spielt Updates ein, und wo werden sie vorher getestet?
- Wie sind Störung, Änderung und Beratung abgegrenzt?
- Welche Servicezeiten und Reaktionszeiten gelten, und wie sind sie belegt?
- Wer kennt unsere österreichischen Anforderungen (E-Rechnung, RKSV, Austausch mit dem Steuerberater)?
- Wem gehören Dokumentation und Quellcode?
- Wie sieht der Ausstieg aus, falls wir wechseln?
Wer diese Fragen vor Vertragsabschluss klärt, hat im Betrieb weniger Überraschungen. Und wer noch am Anfang steht, findet den Rahmen für ein neues Vorhaben unter Einführung von SAP Business One.
Häufige Fragen
Was ist im SAP-Business-One-Support von SAP enthalten?
Mit einem gültigen Wartungsvertrag erhalten Sie von SAP die Versions-Upgrades ohne Aufpreis sowie Support Packages mit Korrekturen, Sicherheitspatches und rechtlichen Aktualisierungen. Für Systemstillstand nennt SAP einen Support rund um die Uhr. Die tägliche Betreuung Ihrer Konfiguration, Ihrer Berichte und Ihrer Erweiterungen liegt dagegen beim Integrator.
Worin unterscheidet sich Wartung von TMA bei SAP Business One?
Wartung meint die Leistungen des Herstellers: Software-Updates, Korrekturen und Hersteller-Support. TMA (Tierce Maintenance Applicative, also die laufende Applikationsbetreuung durch einen Dienstleister) umfasst Störungsbehebung, kleine Anpassungen, Benutzerhilfe und Weiterentwicklung Ihres konkreten Systems. Beide Leistungen ergänzen sich und ersetzen einander nicht.
Welche Servicelevels sollte ein Support-Vertrag für SAP Business One enthalten?
Verlangen Sie definierte Servicezeiten, Reaktions- und Lösungszeiten je Priorität, eine klare Eskalationskette und regelmäßige Berichte über offene Tickets. Wichtig ist auch, was als Störung und was als Änderungswunsch gilt, denn davon hängt die Abrechnung ab. Konkrete Zahlen vereinbaren Sie mit dem jeweiligen Integrator.
Wie lange wird meine Version von SAP Business One gewartet?
SAP garantiert mindestens fünf Jahre Standardwartung pro Versionsfamilie. Laut SAP läuft die Standardwartung der Version 10.0 bis zum 31. Dezember 2028, Änderungen vorbehalten, während ältere Versionen wie 9.3 oder 8.82 ihre Standardwartung beendet haben. Eine erweiterte Wartung bietet SAP für Business One nicht an.
Kann ich den Support-Partner für SAP Business One wechseln?
Ja, der Wechsel des Dienstleisters ist üblich und möglich, wenn Dokumentation, Zugänge und Erweiterungen sauber übergeben werden. Sinnvoll ist ein vorgeschaltetes Audit, das den Ist-Zustand erfasst, bevor der neue Partner die Verantwortung übernimmt. Prüfen Sie außerdem Kündigungsfristen und Rechte am Quellcode individueller Entwicklungen.
Quellen
- SAP Support – SAP Business One Maintenance
- SAP Support – SAP Business One Upgrades and Patches
- SAP Help Portal – SAP Business One License Guide
- SAP News – Global success of SAP Business One
Die genannten Softwarenamen sind Marken der jeweiligen Hersteller und dienen ausschließlich der Information. Diese Website ist unabhängig und steht in keiner Verbindung zu den Herstellern.