Wer nach Odoo Modulen sucht, will meistens eines wissen: Was steckt im System, was brauche ich davon, und was kommt on top? Odoo ist modular aufgebaut. Jede Anwendung deckt einen Fachbereich ab, alle greifen auf dieselbe Datenbasis zu. Das ist der Kern des Konzepts: Ein Kunde, ein Artikel, eine Rechnung existieren nur einmal und werden von Vertrieb, Lager und Buchhaltung gemeinsam genutzt.
Dieser Überblick geht die Odoo Funktionen Fachbereich für Fachbereich durch und trennt, was zum Standard gehört und wo ein Integrator nachhelfen muss. Die Gliederung folgt der Dokumentation von Odoo 19.
Wie Odoo seine Anwendungen ordnet
Odoo nennt rund 50 Kernanwendungen; aus der Community kommen laut Hersteller mehr als 50.000 zusätzliche Apps. Die Dokumentation gruppiert die Odoo Applications in Kategorien: Finanzen, Verkauf, Websites, Lieferkette (Supply Chain), Personal, Marketing, Services, Produktivität und Studio.
Zwei Dinge sollten Sie von Anfang an auseinanderhalten:
- Kern-Apps stammen vom Hersteller und werden gemeinsam weiterentwickelt.
- Community-Apps stammen von Dritten. Ihre Qualität schwankt, und sie müssen bei jedem Versionswechsel mitgezogen werden. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Versionen und Editionen.
Auch die Lizenz spielt eine Rolle: Odoo 19 Community steht unter LGPLv3, Odoo 19 Enterprise unter der Odoo Enterprise Edition License v1.0 und setzt ein gültiges Enterprise-Abonnement für die passende Benutzerzahl voraus.
Finanzen und Buchhaltung
Die Kategorie Finanzen umfasst Buchhaltung und Rechnungsstellung, Spesenabrechnung, Online-Zahlungsanbieter, Fiskal-Lokalisierungen für mehr als 50 Länder und ESG-Auswertungen.
Die Buchhaltung arbeitet mit automatischer doppelter Buchführung und bietet:
- Bankanbindung und Bankabstimmung auf Basis von Vorlagen
- Mehrwährungsfähigkeit mit automatischen Kursen
- Mehrgesellschaftsbetrieb mit Konsolidierung
- Echtzeitberichte: Bilanz, Gewinn-und-Verlust-Rechnung, Cashflow-Übersicht, Partnerbuch sowie Fälligkeitslisten für Kunden und Lieferanten
Die Lagerbewertung läuft periodisch (manuell) oder permanent (automatisiert), wahlweise zum Standardpreis, zum gewichteten Durchschnitt (AVCO) oder nach FIFO.
Österreich-Bezug: In der Praxis arbeiten viele Betriebe mit einem Steuerberater zusammen, der Daten im eigenen System erwartet, häufig ist das BMD. Klären Sie früh, welche Schnittstelle oder welcher Exportweg dafür vorgesehen ist. Wie das aussehen kann, lesen Sie unter Buchhaltung und Finanzen in Odoo und zur Gegenüberstellung auf der Seite zu BMD. Für den Rechnungsaustausch lohnt ein Blick auf die E-Rechnung in Österreich.
Verkauf, CRM und Kassa
Die Kategorie Verkauf enthält CRM, Angebote und Aufträge, Kassensystem (Point of Sale), Abonnements und Vermietung. Damit lässt sich der Weg vom ersten Kontakt über das Angebot bis zur Rechnung in einem Datenfluss abbilden; Details dazu finden Sie unter CRM und Vertrieb in Odoo.
Für Händler mit Ladengeschäft ist das Kassenmodul interessant. Hier gilt in Österreich eine Besonderheit: Registrierkassen unterliegen der RKSV. Ob und mit welchem Zusatz das Kassenmodul die Anforderungen erfüllt, ist keine Standardfrage, sondern ein Prüfpunkt für Ihren Integrator. Einen Rahmen gibt der Beitrag zur Registrierkassenpflicht im ERP.
Einkauf, Lager und Logistik
Die Lieferkette bündelt Lager, Fertigung, Einkauf, Barcode, Qualität, Instandhaltung, Produktlebenszyklus-Management (PLM) und Reparaturen. Für Handelsbetriebe stehen Einkauf und Lager im Zentrum; die Spielarten beschreibt die Seite Lager und Einkauf in Odoo.
Typische Anwendungsfälle:
- Bestellvorschläge und Lieferantenbestellungen
- Chargen- und Seriennummernverfolgung
- Barcode-Scanning bei Wareneingang, Kommissionierung und Versand
- Qualitätskontrollen an definierten Punkten im Prozess
Fertigung
Die Fertigungsanwendung ist für Betriebe gedacht, die mehr als Zusammenbau erledigen. Sie umfasst mehrstufige Stücklisten, Arbeitsaufträge und Arbeitsplätze mit Steuerung per Tablet, einen Hauptproduktionsplan (MPS), Lohnfertigung, Ausschuss, Restmengen, Nebenprodukte sowie die Verfolgung von Chargen und Seriennummern.
Die Enterprise-Edition ergänzt erweiterte Fertigungsfunktionen: Shopfloor, Kontrollzentrum und Terminplanung. Wer ein Industrieprofil hat, vertieft das auf der Seite Produktion mit Odoo und im Branchenratgeber ERP für die Fertigung.
Projekte und Services
Zur Kategorie Services zählen Projekt, Zeiterfassung (Timesheets), Außendienst (Field Service), Planung und Helpdesk. Für Dienstleister, die nach Aufwand abrechnen, ist das eine zusammenhängende Kette: Projekt, erfasste Zeit, Rechnung. Der Außendienst ist laut Editionsseite ein Enterprise-Thema. Branchenbezogene Hinweise liefert ERP für Dienstleister.
Personal und Lohn
Das Personalpaket besteht aus Anwesenheiten, Mitarbeiter, Beurteilungen, Recruiting, Lohnabrechnung, Abwesenheiten und Mitarbeiterempfehlungen. Die Lohnabrechnung berechnet die Arbeitszeit aus Arbeitseinträgen, die aus Verträgen, Anwesenheiten, Planung oder Zeiterfassung stammen, und erzeugt Lohnzettel.
Wichtig für Österreich: Eine Lohnabrechnung ist hier an Kollektivverträge, Sozialversicherungsmeldungen und Abgabenlogik gebunden. Dass die Anwendung Lohnzettel erzeugt, heißt nicht, dass die österreichischen Regeln fertig hinterlegt sind. Viele Betriebe lassen die Lohnverrechnung deshalb in einer Spezialsoftware oder beim Steuerberater und binden nur die Ergebnisse an. Die Optionen stellt Lohn und Personal in Odoo gegenüber.
Weitere Bereiche: Marketing, Websites, Berichte, Mobil
Marketing und Websites ergänzen den Kern um Mailings, Webseiten und Onlineshop, was E-Commerce-Betrieben einen durchgängigen Datenfluss vom Shop in die Buchhaltung gibt. Das Berichtswesen läuft über die Auswertungen der einzelnen Anwendungen; die Finanzberichte nennt die Buchhaltung selbst. Für eigene Auswertungen und Eingriffe in Masken steht Studio zur Verfügung, das zur Formel Custom gehört.
Zum mobilen Einsatz: Odoo ist als Webanwendung auf Smartphone und Tablet nutzbar, Arbeitsplätze in der Fertigung lassen sich per Tablet steuern. Welche Funktionen unterwegs wirklich gebraucht werden, sollten Sie vorab festlegen, etwa Außendienst oder Lagerscanner.
Tabelle: Fachbereich und passende Odoo Anwendung
| Fachbereich | Anwendungen | Ergänzung nötig? |
|---|---|---|
| Finanzen | Buchhaltung, Rechnungsstellung, Spesen, ESG | Österreich-Detailfragen und Steuerberater-Schnittstelle prüfen |
| Verkauf | CRM, Angebote und Aufträge, Kassa, Abonnements, Vermietung | Registrierkasse (RKSV) klären |
| Einkauf und Lager | Einkauf, Lager, Barcode, Qualität | meist Standard |
| Fertigung | Fertigung, PLM, Instandhaltung, Reparaturen | Shopfloor und Terminplanung nur Enterprise |
| Services | Projekt, Zeiterfassung, Außendienst, Planung, Helpdesk | Außendienst nur Enterprise |
| Personal | Mitarbeiter, Recruiting, Abwesenheiten, Lohnabrechnung | Lohnverrechnung für Österreich gesondert klären |
| Anpassung | Studio | nur Formel Custom |
Standard, Erweiterung oder Partner: Wie Sie die Grenze ziehen
Eine einfache Faustregel: Alles, was in der Dokumentation als Anwendung geführt ist, gehört zum Standard der jeweiligen Edition. Alles, was die Dokumentation nicht nennt, ist eine Erweiterung. Das kann eine Community-App, eine Eigenentwicklung oder ein Konnektor sein.
Drei Fragen helfen bei der Einordnung:
- Ist die Funktion Teil der Enterprise-Edition oder reicht Community?
- Gibt es eine gepflegte Erweiterung, oder müsste sie neu entstehen?
- Wer betreut die Erweiterung bei einem Versionswechsel?
Eigenentwicklungen sind legitim, aber sie verteuern jedes spätere Update. Prüfen Sie daher zuerst, ob sich ein Prozess im Standard abbilden lässt. Die Seiten Individualentwicklung und Schnittstellen erklären, wann sich Maßarbeit lohnt.
Lizenz, Hosting und Kosten: Was sich nach der Modulwahl entscheidet
Mehr Module bedeuten nicht automatisch höhere Kosten. Odoo rechnet je Benutzer und Monat ab:
- One App Free: 0 EUR, eine Anwendung plus Abhängigkeiten, Odoo Online, unbegrenzte Benutzer.
- Standard: 24,90 EUR je Benutzer und Monat (Rabatt gegenüber 31,10 EUR, 12 Monate für anfangs bestellte Benutzer), Odoo Online, alle Anwendungen.
- Custom: 44,90 EUR je Benutzer und Monat (Rabatt gegenüber 56,90 EUR, 12 Monate), Odoo Online, Odoo.sh oder On-Premise; Odoo.sh-Kosten sind nicht enthalten.
Ein Benutzer „light“ wird laut Odoo mit 7,90 EUR pro Monat angeboten, nach Termin mit einem Odoo-Berater. Custom ergänzt Studio, Mehrgesellschaftsbetrieb, externe API und agentische KI. Wer Studio installiert oder weitere Gesellschaften anlegt, wechselt damit von einer kostenlosen Datenbank in Custom. Ausführlicher: Odoo Preise und Hosting und Cloud.
So wählen Sie die richtigen Module aus
- Prozesse aufnehmen, nicht Funktionslisten. Wo entstehen heute Medienbrüche, etwa zwischen Excel, Warenwirtschaft und Buchhaltung?
- Muss und Kann trennen. Was Pflicht ist, etwa E-Rechnung oder Kassa, gehört in ein Lastenheft.
- Mit dem Kern starten, zum Beispiel Verkauf, Lager und Finanzen, und weitere Anwendungen in einer zweiten Phase einführen. Das Vorgehen beschreibt Einführung von Odoo.
- Gegenprobe machen: Vergleichen Sie mit anderen Systemen, etwa Odoo gegenüber Business Central.
Wenn Sie wissen, welche Anwendungen Ihr Betrieb braucht, vermitteln wir kostenlos einen passenden Integrator. Wie das abläuft, steht unter So funktioniert es.
Häufige Fragen
Wie viele Module hat Odoo?
Odoo nennt rund 50 Kernanwendungen. Dazu kommen laut Hersteller mehr als 50.000 weitere Apps, die die Community beigesteuert hat. Für Ihren Betrieb zählt aber nicht die Menge, sondern die Frage, welche Anwendungen Ihre Prozesse tragen und welche Sie bewusst weglassen.
Kann ich mit einem einzelnen Odoo Modul starten?
Ja. Die Formel „One App Free“ erlaubt eine Anwendung samt ihren Abhängigkeiten auf Odoo Online, mit unbegrenzter Benutzerzahl. Weitere Apps lassen sich später ergänzen. Ob ein schrittweiser Start für Sie sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark Ihre Prozesse ineinandergreifen.
Welche Odoo Funktionen gibt es nur in der Enterprise-Edition?
Die Editionsseite nennt unter anderem die KI-gestützte Rechnungsautomatisierung, erweiterte Fertigungsfunktionen wie Shopfloor, Kontrollzentrum und Terminplanung sowie Studio und den Außendienst (Field Service). Community ist die Open-Source-Basis, auf der Enterprise aufbaut. Ein Wechsel zwischen den Editionen ist laut Odoo jederzeit möglich.
Deckt Odoo die österreichischen Anforderungen wie E-Rechnung und Registrierkasse ab?
Odoo bringt Fiskal-Lokalisierungen für zahlreiche Länder mit, doch ob E-Rechnung, Registrierkassensicherheitsverordnung und der Austausch mit Ihrem Steuerberater in Ihrer Konstellation sauber funktionieren, muss ein Integrator konkret prüfen. Lassen Sie sich diese Punkte vor Projektstart schriftlich bestätigen.
Brauche ich für jedes Modul eine eigene Lizenz?
Nein, nicht je Modul. In der Formel Standard sind alle Anwendungen enthalten, abgerechnet wird je Benutzer und Monat. Kostenpflichtig sind Benutzer mit Backend-Zugang; Portalbenutzer wie Kunden oder Lieferanten zählen nicht dazu.
Quellen
- Odoo – Preise
- Odoo – Über uns
- Odoo – Editionen
- Odoo 19 Dokumentation – Anwendungen
- Odoo 19 Dokumentation – Buchhaltung
- Odoo 19 Dokumentation – Fertigung
- Odoo 19 Dokumentation – Lohnverrechnung
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