Ein Odoo-Projekt endet nicht mit dem Go-live. Ab dem ersten Tag im Echtbetrieb stellen sich Fragen, die in der Einführung kaum Platz hatten: Wer reagiert, wenn die Fakturierung am Monatsende hängt? Wer spielt Updates ein? Wer prüft, ob eine Änderung der E-Rechnung Ihre Rechnungsvorlage betrifft? Wer einen guten Odoo Support sucht, muss zuerst verstehen, wer in welchem Bereich zuständig ist: der Hersteller, der Integrator oder Ihr eigenes Team.
Diese Seite ordnet die Zuständigkeiten, beschreibt, was in einem Wartungsvertrag stehen sollte, und zeigt, wie sich Odoo Wartung und laufende Weiterentwicklung (in Frankreich als TMA bekannt, im deutschsprachigen Raum eher Applikationsbetreuung oder Application Management) sinnvoll aufteilen lassen.
Wer ist wofür zuständig?
Bei Odoo gibt es drei Ebenen, die oft vermischt werden. Das führt im Störungsfall zu Wartezeiten, weil niemand sich verantwortlich fühlt.
| Ebene | Typische Verantwortung | Beispiele |
|---|---|---|
| Hersteller (Odoo) | Standardsoftware, Plattform, Versionspflege | Fehler im Standard, Upgrade-Verfahren, Sicherheitskorrekturen |
| Integrator | Konfiguration, Anpassungen, Schnittstellen, Betreuung | Eigene Module, Anbindung an Webshop oder Bank, Prozessänderungen |
| Ihr Unternehmen | Fachliche Verantwortung, Freigaben, Anwenderwissen | Stammdatenpflege, Abnahme von Änderungen, interne Erstanlaufstelle |
Eine saubere Trennung beginnt mit der Frage: Handelt es sich um ein Standardverhalten von Odoo oder um etwas, das für Ihr Unternehmen gebaut oder konfiguriert wurde? Nur im ersten Fall ist der Hersteller zuständig.
Was der Hersteller abdeckt
Laut Odoo umfasst das Abonnement unbegrenzten Support per E-Mail, von Montag bis Freitag (24/5), in Englisch, Französisch, Spanisch oder Niederländisch. Deutsch ist in dieser Aufzählung nicht genannt. Für ein österreichisches Team im Tagesgeschäft ist das ein praktischer Punkt: Eine Störung im Mahnwesen schildern Sie in der Regel lieber in der eigenen Sprache und im Kontext Ihrer Prozesse. Auch die E-Learning-Plattform und die Versions-Upgrades sind im Abonnement enthalten.
Was der Hersteller nicht kennt, ist Ihre konkrete Umsetzung. Eigene Module, individuelle Berichte, Automatisierungen, Schnittstellen zu Drittsystemen und die Abbildung österreichischer Besonderheiten bleiben beim Integrator. Wie die Abonnementpreise aufgebaut sind, beschreibt die Seite Odoo Preise. Zur Orientierung: Die Formel Standard kostet laut Odoo 24,90 EUR pro Benutzer und Monat, die Formel Custom 44,90 EUR; Odoo.sh-Kosten sind dort nicht enthalten.
Was der Integrator abdeckt
Ein Integrator, der Odoo betreut, übernimmt typischerweise mehrere Leistungsarten. Sie sollten sie im Vertrag getrennt benennen lassen, weil sie unterschiedlich abgerechnet werden.
Support im Störungsfall
Das ist die Reaktion auf konkrete Probleme: Ein Benutzer kann keine Bestellung bestätigen, ein Export liefert falsche Werte, eine Schnittstelle bricht ab. Hier zählen Erreichbarkeit, Reaktionszeit und Lösungsqualität. Wichtig ist die Klassifizierung nach Dringlichkeit: Ein Stillstand im Versand ist etwas anderes als ein Schönheitsfehler im Angebotsdruck.
Wartung der Anwendung
Wartung ist vorbeugend. Dazu zählen die Pflege der Testumgebung, die Prüfung von Fehlerprotokollen, das Einspielen von Korrekturen, die Kontrolle geplanter Aktionen und die Betreuung der Backups, sofern der Integrator das Hosting verantwortet. Wie sich die Betriebsformen unterscheiden, erklärt die Seite Odoo Cloud und Hosting.
Weiterentwicklung
Neue Anforderungen entstehen laufend: ein zusätzlicher Freigabeschritt, ein neuer Vertriebskanal, eine geänderte Kostenstellenstruktur. Das ist keine Störungsbehebung, sondern ein kleines Projekt. Lassen Sie festhalten, ob Weiterentwicklung über ein Stundenkontingent, über Einzelangebote oder über ein Backlog mit regelmäßiger Priorisierung läuft. Bei größeren Eingriffen gelten die Hinweise zur individuellen Odoo-Entwicklung.
Anwenderbetreuung und Schulung
Viele vermeintliche Fehler sind Bedienfragen. Ein Vertrag, der eine Hotline für Anwender, kurze Auffrischungen und die Schulung neuer Mitarbeitender einschließt, entlastet Ihre interne Anlaufstelle. Mehr dazu unter Odoo Schulung.
Updates und Versionswechsel planen
Der wichtigste Teil der Wartung ist die Versionspflege. Odoo veröffentlicht Hauptversionen in einem festen Rhythmus, und Ihre Anpassungen müssen mit jeder neuen Version Schritt halten.
Laut Odoo erhält jede Hauptversion drei Jahre Standard-Support nach ihrer Veröffentlichung. Danach folgt ein kostenpflichtiger erweiterter Support, den es nur auf Odoo.sh (mit eingeschränkten Versionen) und On-Premise gibt, nicht auf Odoo Online. Entscheidend für den Betrieb: Sicherheitskorrekturen gibt es nur im Standard-Support. Im erweiterten Support bleiben Hilfe und Fehlerbehebung möglich, aber nur, soweit es technisch machbar ist.
Nach der Versionsseite von Odoo ergibt sich dieses Bild:
| Version | Veröffentlichung | Ende des Standard-Supports |
|---|---|---|
| 17.0 | November 2023 | September 2026 |
| 18.0 | Oktober 2024 | September 2027 |
| 19.0 | September 2025 | September 2028 |
| 20.0 | angekündigt für September 2026 | September 2029 |
Wer noch auf Version 17.0 arbeitet, hat den Standard-Support demnach bereits hinter sich gelassen. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein klarer Anlass, den Versionswechsel jetzt mit dem Integrator einzuplanen. Eine Einordnung der Ausgaben finden Sie unter Odoo Versionen und Editionen.
Für Odoo Online und Odoo.sh gilt außerdem: Die Aktualisierung auf eine neue Hauptversion ist alle zwei Jahre verpflichtend, Zwischenversionen müssen innerhalb von Wochen nach der nächsten Version aktualisiert werden, und Odoo kündigt das vorher an. Die sogenannten SaaS-Zwischenversionen erscheinen alle zwei bis drei Monate, laufen nur auf Odoo Online und haben keinen Anspruch auf erweiterten Support. Wer viele Anpassungen hat, sollte diesen schnellen Rhythmus kritisch prüfen.
So läuft ein Update sauber ab
Vor dem Livegang sieht die Odoo-Prozedur eine aktualisierte Testdatenbank vor, an der Sie die neue Version prüfen. Einzelne Leistungen liegen außerhalb des Upgrade-SLA von Odoo. Das heißt: Das Standardverfahren erledigt nicht alles. Ihre Module, Berichte und Schnittstellen müssen Sie selbst oder durch den Integrator testen.
Bewährt hat sich folgende Reihenfolge:
- Bestandsaufnahme der Anpassungen und Schnittstellen.
- Upgrade der Testdatenbank und Fehleranalyse.
- Anpassung der eigenen Module an die neue Version.
- Abnahme durch die Fachabteilungen anhand echter Geschäftsfälle.
- Umstellung außerhalb der Spitzenzeiten, mit Rückfallplan.
Gerade in Österreich lohnt es sich, bei der Abnahme gezielt die rechtlich relevanten Abläufe durchzuspielen: Rechnungsausgang mit E-Rechnung, Kassenbelege bei Anbindung einer Registrierkasse und die Übergabe an Ihren Steuerberater, etwa im BMD-Umfeld. Die Hintergründe finden Sie unter E-Rechnung im ERP.
Verträge und Servicelevels: Das gehört hinein
Ein guter Wartungsvertrag ist konkret. Vage Formulierungen wie „Support nach Bedarf" führen im Ernstfall zu Streit. Achten Sie auf diese Punkte:
- Leistungsumfang: Was ist Support, was Wartung, was Weiterentwicklung? Welche Module, Schnittstellen und Umgebungen sind erfasst?
- Servicezeiten: Werktags zu Bürozeiten oder auch in Spitzenzeiten wie Jahresabschluss und Inventur? Ein Handelsbetrieb braucht andere Zeiten als ein Planungsbüro.
- Reaktions- und Lösungszeiten je Dringlichkeitsstufe, mit klarer Definition, wann eine Störung „kritisch" ist.
- Meldewege: Ticketsystem, E-Mail, Telefon. Wer darf Tickets eröffnen?
- Sprache und Standort: Support auf Deutsch, bei Bedarf mit Kenntnis österreichischer Abläufe.
- Updates: Wer begleitet Versionswechsel, und ist das im Pauschalpreis enthalten oder separat zu beauftragen?
- Eigentum und Zugriff: Sie behalten Zugriff auf Quellcode, Repository, Testumgebung und Dokumentation.
- Datenschutz: Auftragsverarbeitung nach DSGVO, wenn der Integrator Zugriff auf Echtdaten hat.
- Laufzeit und Kündigung: Fristen, Übergabepflichten und Unterstützung beim Ausstieg.
Fragen Sie auch nach, wie der Integrator Wissen sichert. Wenn alles bei einer einzelnen Person liegt, wird jeder Urlaub zum Risiko.
Was Sie im Budget vorsehen sollten
Konkrete Beträge kann seriös nur ein Angebot nennen, denn sie hängen von Benutzerzahl, Umfang der Anpassungen, Schnittstellen und Servicezeiten ab. Sinnvoll ist es, die Kostenblöcke getrennt zu planen:
| Kostenblock | Treiber |
|---|---|
| Odoo-Abonnement | Formel, Zahl der Backend-Benutzer, Hosting-Variante |
| Hosting und Betrieb | Odoo Online, Odoo.sh oder eigener Server; Kosten von Odoo.sh sind in Custom nicht enthalten |
| Support und Wartung durch den Integrator | Servicezeiten, Reaktionszeiten, Zahl der Anpassungen |
| Versionswechsel | Menge eigener Module, Tests, Schulungsbedarf |
| Weiterentwicklung | Backlog, Fachabteilungen, geplante Erweiterungen |
Hilfreich ist die Unterscheidung zwischen Backend-Benutzern und Portalbenutzern: Laut Odoo zählen Kunden- und Lieferantenzugänge im Portal nicht als kostenpflichtige Benutzer. Wer viele Externe einbindet, kalkuliert also anders als ein Betrieb mit ausschließlich internen Anwendern.
Planen Sie außerdem eine Reserve für Gesetzesänderungen ein. Anforderungen an E-Rechnung, Registrierkasse oder Meldewesen ändern sich, und die Anpassung ist selten kostenlos. Einen Überblick liefert die Seite zur Registrierkassenpflicht im ERP.
Den Support-Partner wechseln
Ein Wechsel ist möglich, weil Odoo Ihre Daten und Ihre Konfiguration in Ihrem System hält. Er ist am Ende eine Betreuungsfrage, keine Neueinführung. Unproblematisch wird er allerdings nur, wenn Sie sich vorbereiten.
- Zugriffe sichern: Prüfen Sie, ob Sie Administratorrechte, Repository, Serverzugang und Dokumentation besitzen.
- Zustand erheben: Lassen Sie den neuen Anbieter eine Bestandsaufnahme machen. Wie das aussieht, steht unter Odoo Audit und Projektübernahme.
- Offene Punkte klären: Laufende Tickets, ungeklärte Fehler und geplante Weiterentwicklungen übergeben Sie geordnet.
- Kündigungsfristen beachten: Vereinbaren Sie eine kurze Parallelphase, damit der Betrieb nicht ohne Betreuung bleibt.
- Neu vereinbaren: Nutzen Sie den Wechsel, um Servicezeiten und Zuständigkeiten sauber zu definieren.
Typische Anlässe sind lange Reaktionszeiten, fehlende Dokumentation, ein Integrator, der den Betrieb verkleinert, oder ein Standortwechsel Ihres Unternehmens, etwa von Wien nach Oberösterreich. Wenn Sie dagegen grundsätzlich unzufrieden mit dem Funktionsumfang sind, hilft eher eine Prüfung der Migration oder von Alternativen.
Den passenden Betreuer finden
Nicht jeder Integrator, der Odoo einführt, will es auch langfristig betreuen. Fragen Sie nach Referenzen im laufenden Betrieb, nach der Größe des Support-Teams, nach Vertretungsregelungen und nach Erfahrung mit österreichischen Anforderungen. Kriterien für die Auswahl finden Sie unter Odoo-Integrator wählen. Wie die kostenlose Vermittlung abläuft, beschreibt die Seite So funktioniert es. Wir vermitteln Sie an einen Integrator; der Vertrag und die Betreuung liegen bei ihm und Ihnen.
Eine regionale Nähe ist kein Muss, kann aber bei Vor-Ort-Terminen, Schulungen und Hardwarethemen wie Scannern oder Kassen praktisch sein. Allgemeine Hinweise zur Odoo-Einführung in Ihrem Markt gibt die Seite Odoo in Österreich.
Checkliste für den Start
- Zuständigkeiten für Hersteller, Integrator und interne Anlaufstelle schriftlich festhalten.
- Leistungsarten im Vertrag trennen: Support, Wartung, Weiterentwicklung, Updates.
- Servicezeiten an Ihre Geschäftsspitzen anpassen, etwa Monats- und Jahresabschluss.
- Versionsplanung mit dem Integrator abstimmen und die Support-Enddaten der eingesetzten Version kennen.
- Eine Testumgebung für Updates und Änderungen fest einplanen.
- Zugriff auf Code, Dokumentation und Server vertraglich absichern.
- Budget für Gesetzesänderungen und Weiterentwicklung einplanen.
Wer diese Punkte klärt, muss im Störungsfall nicht erst diskutieren, wer zuständig ist, und kann Odoo kontinuierlich weiterentwickeln, statt nur den Betrieb am Laufen zu halten.
Häufige Fragen
Was ist im Odoo-Support des Herstellers enthalten?
Laut Odoo umfasst das Abonnement unbegrenzten Support per E-Mail von Montag bis Freitag (24/5), in Englisch, Französisch, Spanisch oder Niederländisch. Dazu kommen die E-Learning-Plattform und die Versions-Upgrades. Support für Ihre individuellen Anpassungen und Ihre Prozesse in Österreich ist damit nicht abgedeckt, das leistet der Integrator.
Brauche ich zusätzlich zum Odoo-Abonnement einen Wartungsvertrag mit dem Integrator?
In der Regel ja, sobald Sie Anpassungen, Schnittstellen oder österreichspezifische Abläufe wie E-Rechnung, Registrierkasse oder eine BMD-Anbindung nutzen. Der Hersteller kennt Ihre Konfiguration nicht im Detail. Ein Vertrag mit dem Integrator legt fest, wer Störungen analysiert, Änderungen testet und Updates begleitet.
Wie lange wird eine Odoo-Version unterstützt?
Jede Hauptversion erhält drei Jahre Standard-Support, danach gibt es kostenpflichtigen erweiterten Support, allerdings nur auf Odoo.sh und On-Premise. Sicherheitskorrekturen liefert Odoo nur während des Standard-Supports. Planen Sie den Versionswechsel daher rechtzeitig, am besten gemeinsam mit Ihrem Integrator.
Was kostet Odoo Support und Wartung?
Der Hersteller-Support steckt im Abonnement, dessen Preise Sie auf der Odoo-Preisseite finden. Die Betreuung durch den Integrator hängt von Umfang, Zahl der Anpassungen, Servicezeiten und Reaktionszeiten ab und wird je nach Anbieter als Kontingent, Pauschale oder nach Aufwand abgerechnet. Lassen Sie sich Angebote mit gleichem Leistungsumfang vergleichen.
Kann ich den Support-Partner wechseln, ohne Odoo neu einzuführen?
Ja. Die Daten und die Konfiguration bleiben in Ihrem System, gewechselt wird die Betreuung. Wichtig sind der Zugriff auf Code, Testumgebung und Dokumentation sowie eine Bestandsaufnahme durch den neuen Anbieter. Ein Audit vor dem Wechsel zeigt Risiken in Anpassungen und Schnittstellen.
Quellen
- Odoo – Preise und Leistungen
- Odoo – Standard- und erweiterter Support
- Odoo – Unterstützte Versionen
- Odoo – Upgrade-Dokumentation
- Odoo – Preise (Deutsch)
Die genannten Softwarenamen sind Marken der jeweiligen Hersteller und dienen ausschließlich der Information. Diese Website ist unabhängig und steht in keiner Verbindung zu den Herstellern.