Wer eine Odoo Produktion einführen will, sucht meist nach einer PPS, die zum eigenen Betrieb passt: überschaubar im Umfang, ausreichend in der Tiefe und ohne eine eigene IT-Abteilung zu bedienen. In Frankreich nennt man das GPAO, im deutschsprachigen Raum Produktionsplanung und -steuerung. Dieser Beitrag zeigt, was Odoo Manufacturing leistet, wo die Grenzen liegen und welche Fertiger in Österreich damit gut fahren.
Was die Odoo Produktion abdeckt
Odoo gliedert seine Anwendungen in Kategorien. Die Fertigung gehört zur Kategorie Supply Chain, zusammen mit Lager, Einkauf, Barcode, Qualität, Wartung, Produktlebenszyklus (PLM) und Reparaturen. Dieser Zuschnitt ist der eigentliche Vorteil: Produktion, Material und Qualität teilen sich dieselben Stammdaten, ohne dass Daten zwischen Systemen kopiert werden.
Die Anwendung Fertigung selbst beschreibt die Dokumentation von Odoo 19 mit folgenden Bausteinen:
- mehrstufige Stücklisten,
- Arbeitsaufträge und Arbeitsplätze, die sich per Tablet an der Maschine bedienen lassen,
- Hauptproduktionsplan (MPS),
- Unteraufträge für die Fremdvergabe,
- Ausschuss, Restmengen und Nebenprodukte,
- Verfolgung von Chargen und Seriennummern.
Das ist ein ordentliches Fundament für eine mittelständische Fertigung. Welche Funktion im Detail in welcher Edition und Version steckt, klären Sie vor dem Angebot, siehe Versionen und Editionen von Odoo.
Stücklisten und Arbeitsgänge
Das Herzstück jeder PPS ist die Stückliste. In Odoo bilden Sie Baugruppen über mehrere Ebenen ab: Ein Endprodukt besteht aus Baugruppen, diese wiederum aus Rohmaterial und Zukaufteilen. Die Stückliste löst beim Fertigungsauftrag die Materialbedarfe auf und stößt, je nach Konfiguration, Einkauf oder Unterfertigung an.
Die Arbeitsgänge hängen an der Stückliste und verweisen auf Arbeitsplätze. So entsteht aus Stückliste und Arbeitsplan die Grundlage für Durchlaufzeiten und Kosten. Wer bisher mit Excel oder einem alten Branchenpaket arbeitet, sollte seine Stücklisten vor der Migration bereinigen: Doppelte Artikel und ungepflegte Varianten sind die häufigste Ursache für Reibung nach dem Start.
| Baustein | Was Odoo damit abbildet | Worauf Sie im Projekt achten |
|---|---|---|
| Stückliste | mehrstufig, mit Komponenten und Mengen | Varianten und Revisionen sauber definieren |
| Arbeitsplan | Arbeitsgänge je Arbeitsplatz | Rüst- und Bearbeitungszeiten realistisch pflegen |
| Fertigungsauftrag | Material, Arbeitsgänge, Termine | Auslösung aus Kundenauftrag oder Bedarf klären |
| Arbeitsplatz | Maschine oder Station mit Tablet-Ansicht | Zugang und Hardware in der Halle planen |
Fertigungsaufträge und Planung
Ein Fertigungsauftrag in Odoo entsteht aus einem Kundenauftrag, aus Nachbestellregeln oder per Hand. Er reserviert das Material, erzeugt die Arbeitsaufträge und bucht beim Abschluss die Fertigware ins Lager. Das ist der klassische Ablauf, der in den meisten Betrieben ohne Sonderentwicklung läuft.
Für die mittelfristige Planung steht der Hauptproduktionsplan bereit. Er hilft, Absatzprognosen und vorhandene Bestände zusammenzubringen und daraus Produktions- und Beschaffungsvorschläge abzuleiten. Wie weit Ihnen das reicht, hängt von Ihrer Fertigungsart ab.
Zwei Dinge sollten Sie ehrlich prüfen:
- Feinplanung: Wenn Sie eine Reihenfolgeoptimierung über viele Maschinen mit engen Rüstmatrizen brauchen, genügt der Standard häufig nicht. Das ist die Domäne spezialisierter Planungswerkzeuge.
- Maschinendaten: Eine automatische Rückmeldung direkt aus der Steuerung läuft nicht von selbst. Der Weg führt über Schnittstellen und Anbindungen oder ein Zusatzprodukt; lassen Sie das im Lastenheft ausdrücklich beschreiben.
Wie Sie ein solches Dokument aufbauen, steht im Ratgeber zum ERP-Lastenheft.
Unteraufträge, Ausschuss und Nebenprodukte
Gerade österreichische Zulieferer arbeiten oft mit externen Partnern, etwa für Oberflächenbehandlung, Härten oder Lackieren. Odoo bildet die Fremdvergabe über Unteraufträge ab: Sie stellen Material beim Dienstleister bei, erhalten das bearbeitete Teil zurück und führen die Kosten mit.
Auch die unangenehmen Seiten der Fertigung kennt das System: Ausschuss wird erfasst, Restmengen können als Nachlieferung weiterlaufen, Nebenprodukte werden mit eigenem Wert ins Lager gebucht. Wer Kostenträger genau braucht, sollte die Bewertungsmethode im Lager früh festlegen; Odoo für Lager und Einkauf beschreibt die Zusammenhänge.
Qualität, Wartung und Produktlebenszyklus
Qualität, Wartung und PLM sind eigene Anwendungen in der Kategorie Supply Chain. Sie sind also nicht Teil der Fertigung selbst, sondern lassen sich zuschalten, wenn der Prozess es verlangt:
- Qualität: Prüfpunkte im Fertigungs- oder Wareneingangsprozess.
- Wartung: Pflege von Anlagen und Maschinen, die an die Arbeitsplätze anknüpfen.
- PLM: Änderungsstände von Stücklisten und Dokumenten.
Der Umfang dieser Anwendungen ist für viele Betriebe ausreichend, sofern keine branchenspezifische Zertifizierung hinzukommt. Verlangt Ihr Kunde zum Beispiel strenge Dokumentationspflichten, lassen Sie den Integrator an einem Beispielauftrag zeigen, wie die Nachweise entstehen. Lassen Sie sich zudem erklären, was nativ ist und was ein Zusatzmodul aus dem Ökosystem benötigt; Odoo nennt rund um die Anwendungen eine große Community und Partner, aber die Qualität einzelner Zusatzmodule schwankt.
Rückverfolgbarkeit für Chargen und Seriennummern
Chargen und Seriennummern laufen durch den gesamten Prozess: vom Wareneingang über den Fertigungsauftrag bis zur Auslieferung. Im Ernstfall, etwa bei einer Reklamation oder einem Rückruf, sehen Sie, welche Rohware in welche Fertigware eingeflossen ist und an welchen Kunden sie ging.
Für Lebensmittel- und Medizinprodukte-Hersteller ist das wesentlich; vertiefend dazu ERP in der Fertigung und der Überblick Odoo nach Branchen. Die lückenlose Kette steht und fällt aber mit der Disziplin am Lager: Wer Umlagerungen nicht bucht, hat im Rückruf nur die halbe Wahrheit.
Für welche Betriebe Odoo passt – und für welche nicht
Odoo passt gut, wenn:
- Sie ein Metall-, Holz-, Kunststoff- oder Elektronikbetrieb mit übersichtlicher Variantenvielfalt sind, wie man ihn in Oberösterreich, der Steiermark oder in Vorarlberg häufig findet,
- Sie Auftrags- oder Kleinserienfertigung betreiben und Material, Einkauf und Verkauf in einem System führen wollen,
- Sie vom Excel-Plan oder einem veralteten Programm wegkommen und einen modularen Einstieg wünschen,
- Sie offen sind, Prozesse zu vereinheitlichen, statt jede Eigenheit nachzubauen.
Genauer prüfen sollten Sie, wenn:
- Sie eine Prozessfertigung mit Rezepturverwaltung unter regulatorischen Auflagen betreiben,
- Ihre Maschinen eng mit einer Leitebene verbunden werden müssen,
- eine tiefe Feinplanung über viele Ressourcen zwingend ist,
- Ihre Kunden ein bestimmtes Branchenpaket vorschreiben.
In solchen Fällen lohnt sich der Vergleich mit anderen Systemen, etwa in der Rangliste der besten ERP für KMU oder der Seite zu Alternativen zu Odoo.
Kosten: was die Produktion in Odoo bedeutet
Die Lizenz ist nur ein Teil. Laut Odoo kostet die Formel Standard 24,90 EUR pro Benutzer und Monat und enthält alle Anwendungen, also auch die Fertigung. Die Formel Custom liegt bei 44,90 EUR pro Benutzer und Monat und ergänzt unter anderem Odoo Studio, Mehrgesellschaften und den externen API-Zugang; als Hosting stehen Odoo Online, Odoo.sh oder der eigene Betrieb zur Wahl. Zahlende Benutzer sind jene mit Backend-Zugriff; Portalnutzer wie Kunden und Lieferanten zählen nicht dazu. Ein „Light“-Benutzer ist nach Gespräch mit einem Odoo-Berater erhältlich.
Weit größer als die Lizenz fällt in Fertigungsprojekten meist der Aufwand für Datenübernahme, Stücklistenpflege, Schulung und Anpassung aus. Eine Preisübersicht finden Sie unter Odoo Preise; für Anpassungen nach Maß lesen Sie Individualentwicklung in Odoo.
Österreich: Buchhaltung, E-Rechnung und Steuerberater
Die Produktion ist ein Teil des Ganzen. In Österreich entscheidet häufig der Steuerberater mit, wo die Finanzbuchhaltung liegt. Viele Betriebe arbeiten mit BMD und möchten dies beibehalten. Dann wird die Produktion in Odoo geführt, und die Buchungen gehen per Schnittstelle an die Finanzbuchhaltung. Alternativ nutzen Sie die Buchhaltung von Odoo selbst; die Dokumentation nennt dafür doppelte Buchführung, Bankabgleich, mehrere Währungen und Konsolidierung bei mehreren Gesellschaften.
Planen Sie außerdem die E-Rechnung ein, denn sie beginnt im Verkauf, nicht in der Buchhaltung: Wer Fertigware an öffentliche Auftraggeber oder Geschäftskunden liefert, braucht saubere Stammdaten im Auftrag. Der lokale Rahmen ist im Beitrag Odoo in Österreich beschrieben.
So gehen Sie vor
- Prozess beschreiben: Von der Anfrage bis zur Auslieferung, mit Besonderheiten wie Fremdvergabe oder Chargenpflicht.
- Stammdaten aufräumen: Stücklisten, Arbeitspläne und Artikel prüfen, bevor etwas migriert wird.
- Einen Beispielauftrag demonstrieren lassen: Verlangen Sie vom Integrator, einen echten Ihrer Aufträge im System durchzuspielen.
- Schnittstellen festlegen: Maschinen, Buchhaltung, Webshop.
- Integrator auswählen: Referenzen im Bereich Fertigung zählen mehr als die Größe. Der Partnerverzeichnis von Odoo ordnet Referenzen in Branchenkategorien, darunter die Industrie.
Bei der Auswahl hilft der Beitrag Odoo-Integrator wählen. Wenn Sie lieber zuerst Ihre Anforderungen schildern, zeigt die Seite So funktioniert die Vermittlung, wie wir Sie kostenlos mit einem passenden Integrator zusammenbringen. Wir selbst führen kein Projekt durch; das übernimmt der Integrator.
Fazit
Die Odoo Produktion ist eine tragfähige Wahl für Fertiger, die Stücklisten, Fertigungsaufträge, Lager und Einkauf in einem System führen wollen und keine extreme Feinplanung benötigen. Sie ist modular, nachvollziehbar und lässt sich schrittweise ausbauen. Wo Maschinendaten, Branchenauflagen oder eine tiefe Planung ins Spiel kommen, entscheidet der Beispielauftrag im Projekt, nicht die Prospektliste.
Häufige Fragen
Ist Odoo als PPS für die Fertigung geeignet?
Für Einzel-, Serien- und Auftragsfertigung in kleinen und mittleren Betrieben ja, sofern der Prozess sauber beschrieben ist. Die Anwendung Fertigung bringt mehrstufige Stücklisten, Arbeitsplätze, Fertigungsaufträge und Chargenverfolgung mit. Bei sehr komplexer Feinplanung oder Maschinenanbindung sollten Sie vorab prüfen, ob Zusatzlösungen nötig sind.
Was kostet die Produktion in Odoo?
Die Formel Standard kostet 24,90 EUR pro Benutzer und Monat und umfasst alle Anwendungen, also auch Fertigung. Die Formel Custom kostet 44,90 EUR pro Benutzer und Monat. Hinzu kommen die Leistungen des Integrators für Einführung, Anpassung und Schulung; sie hängen vom Umfang ab.
Unterstützt Odoo die Lohnfertigung und Fremdvergabe?
Ja, die Unteraufträge sind Teil der Anwendung Fertigung. Sie vergeben Arbeitsschritte an einen externen Betrieb, stellen Komponenten bei und buchen das Ergebnis wieder ins Lager. Wie Sie Preise, Termine und Qualitätsprüfung am Eingang abbilden, legen Sie im Projekt fest.
Kann ich mit Odoo Chargen und Seriennummern lückenlos verfolgen?
Odoo führt Chargen und Seriennummern durch Einkauf, Fertigung und Auslieferung. So lässt sich im Rückrufsfall nachvollziehen, welche Rohmaterialien in welchen Fertigungsauftrag und in welche Lieferung eingegangen sind. Entscheidend ist, dass die Erfassung am Lager diszipliniert gebucht wird.
Braucht ein österreichischer Fertiger zusätzlich zu Odoo eine Buchhaltungslösung wie BMD?
Das hängt von der Zusammenarbeit mit Ihrem Steuerberater ab. Viele Betriebe führen die Produktion in Odoo und die Finanzbuchhaltung weiter in BMD oder lassen den Steuerberater die Buchungen aus Odoo übernehmen. Eine Schnittstelle entscheidet dann, wie sauber die Kostenträger ankommen.
Quellen
- Odoo 19 Dokumentation – Fertigung
- Odoo 19 Dokumentation – Anwendungen
- Odoo Preise
- Odoo Partnerverzeichnis
Die genannten Softwarenamen sind Marken der jeweiligen Hersteller und dienen ausschließlich der Information. Diese Website ist unabhängig und steht in keiner Verbindung zu den Herstellern.