↓

Lager, Einkauf und Logistik mit Microsoft Dynamics 365 Business Central

Die Lagerverwaltung in Business Central verbindet Artikelstamm, Lagerorte, Einkauf und Inventur in einem System. Hier lesen Sie, was standardmäßig geht und wo ein Integrator in Österreich nachschärft.

Aktualisiert am 28. Oktober 2026

Wer in Österreich ein Handels-, Fertigungs- oder Logistikunternehmen führt, kennt das Problem: Der Bestand im Lager stimmt nicht mit dem Bestand im System überein, der Einkauf bestellt nach Gefühl, und die Inventur bindet jedes Jahr mehrere Mitarbeiter. Die Lagerverwaltung in Business Central setzt genau hier an. Artikel, Lagerorte, Einkauf, Wareneingang, Versand und Bewertung laufen in einem Datenmodell, das direkt mit Verkauf und Finanzbuchhaltung verbunden ist.

Diese Seite zeigt, was Microsoft Dynamics 365 Business Central bei Lager und Einkauf standardmäßig leistet, wo sich Konfiguration lohnt und welche Punkte in Österreich zusätzlich zu klären sind. Sie ersetzt keine Analyse Ihrer Abläufe, hilft aber bei der Frage, was Sie von einem Integrator verlangen sollten.

Der Artikelstamm als Fundament

Jede saubere Lagerverwaltung beginnt beim Artikelstamm. In Business Central legen Sie Artikel mit Basiseinheit, Einkaufs- und Verkaufseinheiten, Artikelkategorie, Lieferanten und Bewertungsverfahren an. Wer Artikel in mehreren Ausprägungen führt, etwa Größe und Farbe, nutzt Artikelvarianten, statt für jede Ausprägung einen eigenen Artikel zu pflegen. Das hält den Stamm überschaubar und macht Bestandsauswertungen aussagekräftiger.

Wichtig ist die Disziplin bei der Anlage. Ein Integrator definiert mit Ihnen Nummernkreise, Pflichtfelder und Vorlagen für Artikel, damit nicht jeder Mitarbeiter eigene Konventionen erfindet. Das klingt banal, entscheidet aber später darüber, ob Auswertungen, Preislisten und Schnittstellen zum Webshop zuverlässig funktionieren. Wie Stammdaten aus Altsystemen sauber übernommen werden, behandelt die Seite zur Migration nach Business Central.

Lagerorte, Lagerplätze und Lagerfachverwaltung

Business Central unterscheidet zwei Ausbaustufen, die sich gut an die Realität eines Betriebs anpassen lassen:

  • Einfache Lagerorte: Sie führen Bestände je Standort, etwa Zentrallager, Außenlager und Servicefahrzeug. Zu- und Abgänge werden direkt mit Einkauf und Verkauf gebucht.
  • Lagerfachverwaltung: Zusätzlich verwalten Sie Zonen, Lagerplätze und Lagerfachbewegungen. Einlagerung, Kommissionierung und Umlagerung werden als eigene Belege gesteuert und können Mitarbeitern am Lager gezielt zugewiesen werden.

Die Kunst liegt darin, nicht mehr Komplexität einzuführen als nötig. Ein Großhändler in Oberösterreich mit einem Zentrallager und hohem Auftragsvolumen profitiert meist von der Lagerfachverwaltung. Ein Dienstleister in Tirol mit einem kleinen Materiallager und wenigen Servicewagen kommt mit einfachen Lagerorten aus. Die Entscheidung gehört an den Anfang des Projekts, weil ein späterer Wechsel Prozesse und Schulung berührt. Die Einführung von Business Central sollte diese Frage deshalb früh klären.

Umlagerungen zwischen Standorten

Wer Ware zwischen Lagerorten bewegt, arbeitet mit Umlagerungsaufträgen. Sie bilden den Versand aus dem einen und den Empfang im anderen Lager getrennt ab. Dazwischen liegt der Lagerort „In Transit“, sodass die Ware während des Transports weder im einen noch im anderen Lager fälschlich verfügbar erscheint. Das ist für Betriebe mit Standorten in verschiedenen Bundesländern ein häufiger Stolperstein, wenn der Transportweg mehrere Tage dauert.

Chargen, Seriennummern und Rückverfolgung

Über Artikelverfolgungscodes steuern Sie, wie ein Artikel nachverfolgt wird: mit Seriennummer, mit Chargennummer, mit beidem oder gar nicht. Dazu kommen Ablaufdaten, die bei Lebensmitteln, Kosmetik oder Chemie unverzichtbar sind. Die Verfolgung wirkt entlang der gesamten Kette:

  1. Wareneingang: Charge oder Seriennummer wird beim Lieferanten übernommen und erfasst.
  2. Lagerhaltung: Der Bestand ist je Charge sichtbar, Sperren sind möglich.
  3. Verkauf und Versand: Beim Ausliefern wird die Charge dem Kunden zugeordnet.
  4. Rückverfolgung: Bei einem Rückruf zeigt die Artikelverfolgung, welche Kunden betroffen sind und wo noch Bestand liegt.

Für Betriebe aus dem Lebensmittelbereich ist das die Grundlage, um Rückrufe in Stunden statt in Tagen zu bewältigen. Wer Chargen in die Fertigung einbezieht, verknüpft die Funktion mit dem Produktionsmodul, das Stücklisten, Fertigungsaufträge und Lagerentnahmen zusammenführt.

Reorder-Logik: Wie der Bedarf zum Einkauf wird

Der Einkauf in Business Central beginnt nicht mit der Bestellung, sondern mit dem Bedarf. Das System kennt mehrere Wege, ihn zu erkennen:

Methode Funktionsweise Geeignet für
Mindestbestand und Bestellpunkt Fällt der Bestand unter einen definierten Wert, schlägt das System eine Bestellung vor Standardartikel mit gleichmäßigem Verbrauch
Bedarfsgesteuert Bestellvorschläge entstehen aus konkreten Verkaufs- oder Fertigungsaufträgen Auftragsbezogene Beschaffung
Planungsvorschlag Das System rechnet Bedarf, Bestand und Wiederbeschaffungszeit gegeneinander und erzeugt Vorschläge Größere Sortimente mit Lieferzeiten
Direktlieferung und Sonderbestellung Ware geht vom Lieferanten direkt zum Kunden oder wird einzeln für einen Auftrag beschafft Seltene oder kundenspezifische Artikel

Im Planungsvorschlag prüft der Disponent die Vorschläge, passt Mengen und Termine an und wandelt sie in Bestellungen um. Parameter wie Wiederbeschaffungszeit, Sicherheitsbestand und Losgröße pflegen Sie je Artikel. Je besser diese Daten stimmen, desto weniger Handarbeit bleibt. Ein Integrator hilft dabei, realistische Parameter aus der Historie abzuleiten, statt Standardwerte zu übernehmen.

Business Central Einkauf: Bestellung, Wareneingang, Rechnung

Der klassische Beschaffungsprozess lässt sich in Business Central durchgängig abbilden:

  • Anfrage und Rahmenbestellung: Sie fixieren Konditionen mit Lieferanten und rufen Mengen bei Bedarf ab.
  • Bestellung: Mit Lieferantenstamm, Zahlungsbedingungen, Einkaufspreisen und Rabatten. Genehmigungsworkflows legen fest, ab welchem Betrag wer freigeben muss.
  • Wareneingang: Die Ware wird gegen die Bestellung gebucht. Bei aktivierter Lagerfachverwaltung folgt die Einlagerung als eigener Schritt.
  • Eingangsrechnung: Die Rechnung wird mit Bestellung und Wareneingang abgeglichen. Abweichungen bei Preis oder Menge werden sichtbar, bevor gebucht wird.
  • Zahlung: Die offenen Posten laufen in die Kreditorenbuchhaltung, die Sie unter Buchhaltung und Finanzen vertiefen können.

Nach dem Studienleitfaden der Prüfung MB-800 gehören Einkauf und Lager zu den Modulen, die ein funktionaler Berater konfiguriert, zusammen mit Finanzen, Verkauf und Anlagen. Das zeigt, wie eng die Bereiche gedacht sind: Eine Bestellung ohne Finanzbuchhaltung oder ein Lager ohne Einkauf gibt es im System nicht als getrennte Welten.

Wareneingang und Warenausgang im Alltag

Im Tagesgeschäft entscheidet die Praxis. Beim Wareneingang prüft das Lagerteam Menge, Qualität und Chargendaten gegen den Beleg. Teillieferungen sind ebenso vorgesehen wie Retouren an den Lieferanten. Auf der Ausgangsseite verbindet das System Verkaufsauftrag, Kommissionierung und Lieferschein. Wer im Vertrieb Zusagen macht, sieht dank Verfügbarkeitsprüfung, ob die Ware tatsächlich zur Verfügung steht. Wie Verkauf und Kundenverwaltung daran anschließen, steht in der Seite zu Vertrieb und CRM.

Für Betriebe im Großhandel oder in der Logistik lohnt es sich, die Belegkette früh zu modellieren. Je weniger Medienbrüche zwischen Auftrag, Pick und Lieferschein bestehen, desto weniger Korrekturbuchungen fallen an.

Inventur und Bestandsgenauigkeit

Die Inventur in Business Central lässt sich auf zwei Wegen führen. Bei der Stichtagsinventur zählen Sie zum Bilanzstichtag den gesamten Bestand. Bei der permanenten Inventur zählen Sie über das Jahr verteilt einzelne Artikel oder Lagerbereiche. Beide Verfahren nutzen das Inventurjournal: Das System erzeugt Zeilen mit dem Buchbestand, Sie tragen die gezählten Mengen ein, und die Differenzen werden gebucht.

Gerade für österreichische Betriebe mit Bilanzstichtag zum Jahresende reduziert die permanente Inventur den Druck auf wenige Tage im Dezember. Zählen Sie dabei regelmäßig Artikel mit hohem Wert oder hoher Bewegung häufiger als Ladenhüter. Das erhöht die Genauigkeit dort, wo Fehler teuer sind. Weitere Hinweise zu den buchhalterischen Folgen gibt Ihnen Ihr Steuerberater.

Lagerbewertung und Kostenverfahren

Business Central kennt mehrere Bewertungsverfahren, darunter FIFO, LIFO, Durchschnittskosten, Standardkosten und die spezifische Zuordnung. Das gewählte Verfahren steuert, wie Einstandspreise in die Lagerbewertung und in die Kosten der verkauften Ware einfließen. Hinzu kommen Nebenkosten wie Fracht oder Zoll, die Sie als Artikelzusatzkosten auf den Einstandspreis umlegen können.

In Österreich ist die Wahl des Verfahrens keine reine IT-Frage. Sie hängt mit Bilanzierung und steuerlicher Behandlung zusammen und sollte mit dem Steuerberater abgestimmt sein. Wer die Buchhaltung weiter in BMD führt, muss sicherstellen, dass Bestandswerte und Lagerbuchungen sauber übergeben werden. Technische Möglichkeiten dafür beschreibt die Seite zu Schnittstellen.

Barcodes, Scanner und mobile Erfassung

Papierlisten am Lager sind die häufigste Fehlerquelle. Mit Barcodes, Handscannern und mobilen Anwendungen erfassen Mitarbeiter Wareneingang, Kommissionierung und Inventur direkt am Regal. Business Central lässt sich über Erweiterungen und mobile Lösungen an Scanner anbinden; welche Variante passt, hängt von Hardware, Lagergröße und Prozessen ab. Ein Integrator prüft vorab, ob Ihre Etiketten, etwa Lieferantenetiketten mit EAN-Codes, ohne Nacharbeit lesbar sind.

Der Gewinn liegt weniger in der Technik als in der Gewohnheit. Wenn jede Bewegung sofort gebucht wird, gleicht der Systembestand dem physischen Bestand, und die Verfügbarkeitsprüfung im Verkauf wird verlässlich.

Transporteure und Versand

Für den Versand verwalten Sie Zustelldienste, Paketnummern und Lieferbedingungen im System. Anbindungen an Paketdienste und Speditionen entstehen meist über Erweiterungen oder Schnittstellen, etwa zum Druck von Versandetiketten und zur Sendungsverfolgung. Wer einen Webshop betreibt, koppelt Bestände und Versandstatus mit dem E-Commerce-Setup, damit Kunden aktuelle Informationen erhalten und das Lager nicht doppelt gepflegt wird.

Was in Österreich zusätzlich zählt

Business Central wird von Microsoft direkt für Österreich lokalisiert; die Liste der Länder mit eigener Microsoft-Lokalisierung umfasst unter anderem Österreich. Für das Lager heißt das, dass Steuerlogik, Belege und Berichte auf österreichische Anforderungen ausgerichtet sind. Welche Besonderheiten Ihr Betrieb darüber hinaus braucht, hängt von Branche und Prozessen ab:

  • Rechnungen und E-Rechnung: Wer an öffentliche Auftraggeber liefert, muss strukturierte Rechnungen erzeugen können. Mehr dazu in unserem Beitrag zur E-Rechnung in Österreich.
  • Registrierkasse: Betriebe mit Barverkauf am Standort, etwa Abholmärkte im Großhandel, beachten die Registrierkassenpflicht.
  • Bundesländer: Wer Lager in Wien, der Steiermark und Vorarlberg betreibt, braucht klare Regeln für Umlagerungen und Zuständigkeiten. Regionale Ansprechpartner finden Sie unter Integratoren nach Bundesland.

Eine Übersicht über die Rahmenbedingungen im Land finden Sie unter Business Central in Österreich.

Wann sich ein Integrator lohnt

Die Standardfunktionen decken viel ab, aber nicht alles. Typische Anpassungen betreffen die Reihenfolge der Lagerprozesse, Etiketten und Belege, Schnittstellen zu Scannern oder Paketdiensten und branchenspezifische Prüfungen beim Wareneingang. Für Sonderlogik kommt gegebenenfalls individuelle Entwicklung in Frage. Achten Sie darauf, dass Anpassungen sparsam bleiben, damit Updates nicht zur Belastung werden.

Wir stellen den Kontakt her, das Projekt führt der Integrator. Auf der Seite So funktioniert es sehen Sie, wie die kostenlose Vermittlung abläuft. Wenn Sie vorab die Auswahl eines passenden Partners vertiefen wollen, hilft die Seite Business-Central-Integrator wählen weiter.

Häufige Fragen

Reicht die Lagerverwaltung in Business Central für ein Handelsunternehmen mit mehreren Standorten?

Ja, in der Regel schon. Lagerorte, Umlagerungsaufträge und die Lagerfachverwaltung decken Handelsunternehmen mit mehreren Standorten ab. Entscheidend ist, wie fein Sie Lagerplätze führen wollen: Wer nur Bestände je Standort braucht, kommt mit der einfachen Lagerortlogik aus, wer Einlagerung und Kommissionierung steuern will, aktiviert die Lagerfachverwaltung.

Wie funktioniert der Einkauf in Business Central vom Bedarf bis zur Rechnung?

Der Bedarf entsteht aus Verkaufsaufträgen, Mindestbeständen oder der Planung und wird im Planungsvorschlag zu Bestellungen gebündelt. Die Bestellung geht an den Lieferanten, der Wareneingang wird gebucht, und die Eingangsrechnung wird mit Bestellung und Wareneingang abgeglichen. Danach läuft die Verbindlichkeit in die Finanzbuchhaltung.

Kann Business Central Chargen und Seriennummern verwalten?

Ja. Über Artikelverfolgungscodes legen Sie fest, ob ein Artikel mit Chargen- oder Seriennummern geführt wird und ob Ablaufdaten relevant sind. Die Rückverfolgung gelingt dann vom Lieferanten bis zum Kunden und umgekehrt, was etwa im Lebensmittelhandel oder bei Medizinprodukten wichtig ist.

Wie läuft die Inventur in Business Central ab?

Sie können eine Stichtagsinventur oder eine permanente Inventur führen. Das System erzeugt Inventurzeilen mit dem Buchbestand, Sie erfassen die gezählten Mengen, prüfen Differenzen und buchen sie. Mit Scannern oder der mobilen App geht die Erfassung schneller und mit weniger Übertragungsfehlern.

Welche Rolle spielen Steuerberater und BMD bei der Lagerbewertung in Österreich?

Die Lagerbewertung schlägt sich unmittelbar im Jahresabschluss nieder. Ihr Steuerberater legt mit Ihnen fest, welches Bewertungsverfahren zulässig und sinnvoll ist, und ein Integrator bildet das in Business Central ab. Läuft die Buchhaltung weiterhin in BMD, muss die Schnittstelle Bestandswerte und Lagerbuchungen sauber übergeben.

Quellen

  1. Microsoft Learn – Lokalisierung von Business Central
  2. Microsoft Learn – Studienleitfaden MB-800

Die genannten Softwarenamen sind Marken der jeweiligen Hersteller und dienen ausschließlich der Information. Diese Website ist unabhängig und steht in keiner Verbindung zu den Herstellern.