Wer in Österreich ein ERP-System auswählt, trifft früher oder später auf BMD. Die Frage nach einer Alternative zu BMD stellt sich trotzdem oft, und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen: Das Unternehmen wächst, die Prozesse werden komplexer, ein Tochterunternehmen im Ausland kommt dazu, oder der Steuerberater arbeitet inzwischen mit einem anderen System. Dieser Beitrag hilft Ihnen, BMD oder ein anderes ERP nüchtern gegeneinander abzuwägen.
Wir sind mit keinem Hersteller verbunden. Wir vermitteln Ihnen kostenlos einen passenden Integrator, der das Projekt dann umsetzt. Die folgende Einordnung ist deshalb bewusst neutral: Sie soll zeigen, wo BMD stark ist und wo ein BMD-Konkurrent besser zu Ihrer Situation passen kann.
Was BMD ausmacht
BMD ist ein österreichischer Softwarehersteller mit Sitz in Steyr. Das Unternehmen entwickelt Software für Buchhaltung, Lohn, Fakturierung und ERP und nennt auf seiner Website mehr als 30 000 Kunden im deutschsprachigen Raum. Gegründet wurde die BMD SYSTEMHAUS GesmbH im Jahr 1972; der Name ist die Abkürzung des ursprünglichen Firmennamens „Büromaschinen für Datenerfassung und Aufbereitung Vertriebs G.m.b.H.“. Die integrierte Lösung trägt die Bezeichnung BMD NTCS.
Im ERP-Bereich richtet sich BMD nach eigener Darstellung an kleine und mittlere Unternehmen, vor allem in Produktion, Bau, Lebensmittelbranche und bei freiberuflichen Dienstleistern. Dazu kommen Branchenlösungen für Gemeinden und kommunale Dienste, für Schulen und für Steuerberatungskanzleien. Einen Überblick über die Bausteine finden Sie auf der Seite zu den BMD-Branchenlösungen.
Eine Besonderheit ist die enge Verbindung zum Steuerberater-Umfeld. Im Webshop des Herstellers gibt es einen eigenen Einstieg „Für Steuerberater“, ergänzt um Wirtschaftsprüfung und Beratungspakete. In der Praxis heißt das: Viele österreichische Kanzleien kennen BMD sehr gut, und der Austausch von Buchungsdaten zwischen Betrieb und Kanzlei ist eingespielt.
Wann BMD die richtige Wahl ist
BMD spielt seine Stärken aus, wenn mehrere dieser Punkte auf Sie zutreffen:
- Ihr Schwerpunkt liegt auf Finanzbuchhaltung, Kostenrechnung, Lohnverrechnung und Fakturierung nach österreichischen Gepflogenheiten.
- Ihr Steuerberater oder Ihre Kanzlei arbeitet ohnehin mit BMD und möchte weiter direkt auf Ihre Daten zugreifen.
- Sie benötigen eine Registrierkasse, die sich in die Buchhaltung einfügt. Zu den Anwendern von BMD Kassa zählen etwa die Sacher-Konditoreien in Wien, Salzburg und Graz.
- Ihre Geschäftsprozesse sind überwiegend auf Österreich ausgerichtet, mit E-Rechnung und Meldewesen als Pflichtprogramm.
- Sie wünschen einen Ansprechpartner in der Region, mit Schulung und Support in deutscher Sprache. Der Hersteller nennt rund 15 000 Teilnehmer pro Jahr an der BMD Akademie.
Gerade bei der gesetzlichen Seite zahlt sich ein heimischer Hersteller aus. Wie sich Pflichten rund um die E-Rechnung im ERP oder die Registrierkassenpflicht umsetzen lassen, unterscheidet sich je nach System im Detail. Bei BMD ist dieses Wissen Teil des Kerngeschäfts.
Wann Sie nach einer Alternative zu BMD schauen sollten
Ein anderes System ist keine Kritik an BMD, sondern eine Frage der Passung. Typische Anlässe:
- Internationales Wachstum. Sie gründen Gesellschaften in mehreren Ländern, brauchen mehrere Währungen und eine konzernweite Konsolidierung. Hier sind international ausgerichtete Systeme oft im Vorteil. BMD ist zwar auch in Deutschland, der Schweiz, Ungarn, der Slowakei und Tschechien präsent, doch der Schwerpunkt liegt klar im deutschsprachigen Raum.
- Starker Webshop- oder Plattformbedarf. Wenn Ihr Geschäft über Marktplätze, Webshops und viele Schnittstellen läuft, kann ein modular aufgebautes System mit großem App-Angebot besser passen.
- Hoher Individualisierungsbedarf. Sehr spezielle Abläufe in Fertigung oder Service verlangen manchmal ein System, das sich weitgehend frei anpassen lässt.
- Microsoft-Umfeld. Wenn Ihre Mitarbeiter täglich in Outlook, Excel und Teams arbeiten und Sie diese Welt eng anbinden möchten, lohnt der Blick auf Business Central.
- Reine Cloud-Strategie. Wer konsequent auf eine Software-as-a-Service-Lösung setzen will, sollte prüfen, welche Betriebsmodelle jeweils angeboten werden. Mehr dazu auf der Seite zu BMD in der Cloud.
Eine Alternative muss dabei nicht den vollständigen Ersatz bedeuten. Oft bleibt BMD für Buchhaltung und Lohn im Einsatz, und ein anderes System übernimmt Vertrieb oder Produktion. Wie das technisch gelingt, steht im Beitrag zu den BMD-Schnittstellen.
Die Alternativen im Überblick
Die folgenden Systeme decken wir auf diesem Portal ab. Die Einordnung ist qualitativ und ersetzt keine Bedarfsanalyse.
Odoo
Odoo ist ein modular aufgebautes ERP mit breitem Funktionsumfang und einer offenen Architektur. Es eignet sich für Unternehmen, die Abläufe selbst gestalten und schrittweise Module hinzunehmen möchten. Stark ist es bei Webshop, CRM, Projekten und Produktion. Für Österreich sind Lokalisierung, Buchhaltung und Abstimmung mit dem Steuerberater die Punkte, die Sie mit dem Integrator früh klären sollten.
Microsoft Dynamics 365 Business Central
Microsoft Dynamics 365 Business Central richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen und ist eng mit dem Microsoft-Umfeld verzahnt. Es deckt Finanzen, Einkauf, Verkauf, Lager und Projekte ab und lässt sich über Erweiterungen ergänzen. Interessant ist es für Betriebe mit mehreren Gesellschaften oder Microsoft-geprägter IT.
SAP Business One
SAP Business One ist die ERP-Lösung von SAP für den Mittelstand. Sie wird oft gewählt, wenn eine Tochtergesellschaft an einen größeren Konzern angebunden ist oder die Standardisierung in Richtung SAP gehen soll. Der Funktionsumfang ist breit, die Einführung hängt stark von der Qualität des Integrators ab.
Oracle NetSuite
Oracle NetSuite ist ein Cloud-ERP für wachsende und international tätige Unternehmen. Es verbindet Finanzen, Auftragsabwicklung und Handel in einer Plattform. Für kleine Betriebe mit klar österreichischem Fokus ist es häufig mehr, als nötig wäre; für Unternehmen mit mehreren Ländergesellschaften kann es hingegen passen.
Vergleich nach Kriterien
| Kriterium | BMD | Odoo | Business Central | SAP Business One | Oracle NetSuite |
|---|---|---|---|---|---|
| Typische Größe | kleine und mittlere Betriebe | kleine bis mittlere Betriebe, wachsend | kleine bis mittlere Unternehmen | Mittelstand | wachsender Mittelstand, international |
| Schwerpunkt | Buchhaltung, Lohn, Branchenlösungen | modulare Gesamtlösung | Finanzen und Warenwirtschaft | Finanzen, Logistik, Konzernanbindung | Finanzen, Handel, Mehrländerbetrieb |
| Cloud | Hosting und Cloud-Betrieb möglich, je nach Konfiguration | Cloud und eigener Betrieb möglich | Cloud, je nach Variante auch andere Modelle | Cloud und eigener Betrieb möglich | reine Cloud |
| Branchen | Bau, Produktion, Lebensmittel, Gemeinden, Kanzleien | breit gefächert | breit gefächert | breit gefächert | Handel, Dienstleistung, Technologie |
| Partnerumfeld | heimisches Netz mit starker Kanzleinähe | breites Netz unabhängiger Integratoren | großes Partnernetz | etabliertes Partnernetz | spezialisierte Partner |
| Österreich-Bezug | sehr stark, heimischer Hersteller | über Lokalisierung und Integrator | über Lokalisierung und Integrator | über Lokalisierung und Integrator | über Lokalisierung und Integrator |
Die Tabelle zeigt Tendenzen, keine Rangfolge. Ein Hersteller schneidet nur im Zusammenspiel mit dem passenden Integrator gut ab, und genau hier unterscheiden sich Projekte am stärksten.
Entscheidungshilfe: Fünf Fragen vor dem Wechsel
Was ist der eigentliche Schmerzpunkt? Wer mit der Buchhaltung zufrieden ist, aber im Lager oder Verkauf an Grenzen stößt, braucht vielleicht eine Ergänzung statt eines Austauschs.
Wer muss mit den Daten arbeiten? Der Steuerberater, die Lohnverrechnung, externe Prüfer: Ein System, das diese Beteiligten nicht einbindet, erzeugt Mehrarbeit.
Wie international ist das Geschäft in einigen Jahren? Planen Sie nicht nur für heute. Wer ein Auslandsgeschäft in Aussicht hat, sollte Mehrwährung und Konsolidierung früh prüfen.
Welche Pflichten kommen auf Sie zu? Für Österreich zählen insbesondere E-Rechnung, Registrierkasse und die Archivierung. Eine Übersicht gibt der Beitrag zu den gesetzlichen Anforderungen an ein ERP.
Wie sicher ist Ihre Datenübernahme? Eine Migration ist machbar, verlangt aber Sorgfalt bei Stammdaten, offenen Posten und Belegen. Den Weg dorthin beschreibt die Seite zur BMD-Migration.
Typische Fehler bei der Alternativensuche
- Nur Funktionslisten vergleichen. Alle Systeme können viel. Entscheidend ist, wie gut sie Ihre Abläufe tragen und wie gut der Integrator Ihre Branche kennt.
- Den Steuerberater zu spät einbinden. In Österreich hängt vieles an der Zusammenarbeit mit der Kanzlei. Holen Sie sie vor der Shortlist an den Tisch.
- Preise aus dem Internet ableiten. Lizenzmodelle und Aufwand hängen von Umfang und Benutzerzahl ab. Eine belastbare Zahl gibt es erst nach einer Analyse.
- Alles auf einmal umstellen wollen. Ein gestufter Start mit klaren Meilensteinen ist meist verträglicher als ein einziger Stichtag.
So finden Sie den richtigen Partner
Ob BMD bleibt oder ein anderes System kommt: Die Wahl des Integrators entscheidet über Erfolg oder Frust. Prüfen Sie Referenzen in Ihrer Branche, fragen Sie nach der Projektmethode und lassen Sie sich erklären, wie Schnittstellen zur Buchhaltung gelöst werden. Hilfreiche Kriterien finden Sie im Beitrag BMD-Integrator wählen.
Auf dieser Plattform läuft das so: Sie beschreiben Ihr Vorhaben, wir vermitteln kostenlos und unverbindlich einen geeigneten Integrator, und Sie entscheiden anschließend selbst. Wie das im Detail abläuft, lesen Sie unter So funktioniert es. Wer Systeme grundsätzlich nebeneinanderlegen möchte, findet im Vergleich Bestes ERP für KMU weitere Hilfen.
Fazit
BMD ist für viele österreichische Betriebe eine naheliegende und fachlich starke Wahl, besonders wenn Buchhaltung, Lohn und die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater im Mittelpunkt stehen. Eine Alternative zu BMD lohnt sich, wenn Internationalität, Plattformgeschäft oder weitgehende Anpassbarkeit wichtiger werden. Entscheiden Sie anhand Ihrer Prozesse, nicht anhand von Markennamen, und lassen Sie die Entscheidung von einem erfahrenen Integrator gegenprüfen.
Häufige Fragen
Welche Alternative zu BMD passt für ein kleines Unternehmen mit Steuerberater?
Wenn Ihr Steuerberater ohnehin mit BMD arbeitet, ist ein Wechsel selten sinnvoll, weil der Datenaustausch dann reibungslos läuft. Eine Alternative lohnt sich erst, wenn Ihre Prozesse in Verkauf, Lager oder Projekten über die Buchhaltung hinauswachsen. Klären Sie dann mit Kanzlei und Integrator, wie die Buchhaltungsdaten weiterhin sauber übergeben werden.
Ist BMD oder Business Central die bessere Wahl für einen Betrieb in Österreich?
Das hängt von Ihrem Schwerpunkt ab. BMD ist ein österreichischer Hersteller und stark in Buchhaltung, Lohn und heimischen Vorgaben wie der Registrierkasse. Microsoft Dynamics 365 Business Central ist ein internationales System, das sich besonders anbietet, wenn Sie bereits stark im Microsoft-Umfeld arbeiten. Entscheidend sind Ihre Anforderungen und die Erfahrung des jeweiligen Integrators.
Wer ist der größte BMD-Konkurrent?
Einen einzelnen Konkurrenten gibt es nicht, denn es kommt auf die Unternehmensgröße und die Branche an. Für Mittelständler mit internationalem Geschäft sind oft SAP Business One oder Oracle NetSuite im Gespräch, für Betriebe mit starkem Wunsch nach Anpassbarkeit eher Odoo. Auch Business Central tritt häufig gegen BMD an.
Kann ich von BMD auf ein anderes ERP wechseln, ohne die Buchhaltung zu verlieren?
Ja, wenn der Wechsel sauber geplant wird. Stammdaten, offene Posten und Salden werden strukturiert übernommen, und der Steuerberater bleibt von Anfang an eingebunden. Wichtig ist, die Altdaten und Aufbewahrungspflichten zu klären, bevor das alte System abgeschaltet wird.
Kann ich BMD behalten und nur einzelne Bereiche durch ein anderes System ergänzen?
Das ist ein gängiger Weg. Viele Unternehmen behalten die Finanzbuchhaltung und Lohnverrechnung in BMD und binden ein spezialisiertes System für Webshop, Produktion oder CRM über Schnittstellen an. Das senkt das Projektrisiko, verlangt aber saubere Zuständigkeiten für die Datenflüsse.
Quellen
- BMD – Startseite
- BMD – Über uns
- BMD – ERP
Die genannten Softwarenamen sind Marken der jeweiligen Hersteller und dienen ausschließlich der Information. Diese Website ist unabhängig und steht in keiner Verbindung zu den Herstellern.