Wer in der Fertigung eine GPAO mit BMD aufbauen will, stellt meist dieselbe Frage: Kommt die Produktion aus einem Guss mit Buchhaltung und Warenwirtschaft, oder wird sie zum Fremdkörper? BMD Produktion ist kein eigenständiges Spezialsystem, sondern Teil eines modularen ERP, das aus der Buchhaltung gewachsen ist. Das ist die wichtigste Orientierung für alles Weitere.
Diese Seite ordnet ein, was die öffentlichen Angaben des Herstellers zur Fertigung hergeben, wo Sie genau hinschauen sollten und welche Betriebe damit gut fahren. Einen Überblick über das gesamte Angebot finden Sie unter BMD-Module im Überblick.
Was BMD zur Produktion sagt
BMD führt die Produktionsplanung im Webshop unter den Lösungen für Unternehmen, neben Lagerverwaltung, Bestellwesen, Fakturierung und Projektmanagement. In der Warenwirtschaft beschreibt der Hersteller die Planung von der Disposition bis zur Realisierung in der Fertigung, mit Steuerung der Kapazitäten und der Materialflüsse. Auch ein Projektmanagement gehört dazu, das von der Planung bis zur Umsetzung in der Fabrik reicht.
Das ERP versteht BMD als modulare Architektur mit zentralem Datenbestand. Sie können einzelne Lösungen einsetzen oder alles zusammen nutzen: Buchhaltung, Lager, Lohn, Personal, CRM und Projektmanagement. Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen, ausdrücklich auch Produktionsbetriebe, daneben Bau, Lebensmittel und freiberufliche Dienstleister.
Mehr sagt die öffentliche Dokumentation nicht, und mehr schreiben wir deshalb nicht als gesichert. Detailfragen wie die Tiefe der Stücklistenauflösung oder die Feinplanung gehören in ein Gespräch mit einem Integrator und in eine Vorführung mit Ihren eigenen Daten.
Die GPAO-Bausteine im Abgleich
Eine Fertigungssteuerung besteht aus mehreren Bausteinen. Die folgende Tabelle zeigt, wie Sie jeden davon bei BMD einordnen. „Belegt" heißt: In den öffentlichen Herstellerangaben erwähnt. „Zu klären" heißt: Prüfen Sie es im Projekt, bevor Sie sich festlegen.
| Baustein | Einordnung bei BMD | Was Sie klären sollten |
|---|---|---|
| Produktionsplanung | Belegt, mit Kapazitäts- und Materialflusssteuerung | Planungstiefe, Grob- oder Feinplanung |
| Stücklisten (Nomenklaturen) | Zu klären | Mehrstufigkeit, Varianten, Änderungsstände |
| Arbeitspläne (Gammen) | Zu klären | Arbeitsgänge, Rüst- und Laufzeiten |
| Fertigungsaufträge | Zu klären | Anlage aus Kundenauftrag, Rückmeldung |
| Chargen und Seriennummern | Belegt in der Warenwirtschaft | Durchgängigkeit über mehrere Fertigungsstufen |
| Lager und Einkauf | Belegt, inklusive mehrerer Lager | Beistellung, Fremdlager |
| Zeiterfassung und Leistungserfassung | Belegt als Lösungsbereich | Zuordnung auf Fertigungsaufträge |
| Qualitätssicherung | Zu klären | Prüfpläne, Reklamationen, Dokumentation |
| Instandhaltung | Zu klären | Eigenes Modul, Anbindung oder Zusatzlösung |
Die Tabelle ist kein Mangel-Urteil, sondern eine Prüfliste. Für die Anforderungsliste hilft Ihnen unser Leitfaden zum ERP-Lastenheft.
Stücklisten und Arbeitspläne
Der Kern jeder Fertigung ist die Stückliste: Welche Teile, Baugruppen und Rohstoffe fließen in ein Erzeugnis ein, und in welcher Menge? Dazu kommt der Arbeitsplan mit den Arbeitsgängen, den Arbeitsplätzen und den Zeiten. Ein ERP, das die Planung ernst nimmt, braucht beides sauber gepflegt.
Fragen Sie in der Projektvorbereitung konkret nach:
- Wie viele Stufen darf eine Stückliste haben, und wie werden Zwischenprodukte behandelt?
- Wie gehen Sie mit Varianten um: eigene Stückliste je Variante oder eine Grundstückliste mit Optionen?
- Wie werden Änderungen versioniert, damit laufende Aufträge nicht plötzlich eine andere Zusammensetzung erhalten?
- Wo liegen Rüstzeit, Stückzeit und Kapazität eines Arbeitsplatzes?
Ein Integrator zeigt Ihnen die Antwort an Ihrem eigenen Erzeugnis, nicht an einem Mustermandanten. Das ist der Moment, in dem sich entscheidet, ob BMD als Hauptsystem für die Fertigung reicht.
Fertigungsaufträge, Planung und Kapazität
Aus einem Kundenauftrag oder einer Bedarfsprognose entsteht ein Fertigungsauftrag. Er löst Materialreservierungen aus, belegt Kapazitäten und meldet am Ende das Fertigprodukt ins Lager. Die Warenwirtschaft von BMD bringt dafür Vorschläge für Bestellungen und Lieferanten mit, die Überwachung der Wareneingänge und mehrere Lager. Das ist die Grundlage für eine Bedarfsrechnung, die Fertigung und Einkauf zusammenführt.
Für die Praxis zählen vor allem drei Fragen:
- Wie reagiert die Planung, wenn ein Lieferant verspätet liefert oder eine Maschine ausfällt?
- Wie sehen Sie die Auslastung der Arbeitsplätze, und wie verschieben Sie Aufträge?
- Wie kommen Rückmeldungen aus der Werkstatt ins System: am Terminal, per Scanner oder über eine angebundene Erfassung?
Hier lohnt der Blick auf die Datenerfassung. Die Zeit- und Leistungserfassung ist bei BMD ein eigener Bereich, die Aufträge der Fertigung müssen aber in Ihrem Ablauf zu den erfassten Zeiten passen, damit die Nachkalkulation stimmt. Wie Sie die Kosten dahinter auswerten, steht in der BMD-Buchhaltung und Kostenrechnung.
Sub-Contracting: Lohnfertigung und Fremdbearbeitung
Viele österreichische Betriebe geben Arbeitsgänge nach außen, etwa Oberflächenbehandlung, Härten oder Lackieren. In der Fertigungssteuerung heißt das: Material geht an einen Lohnfertiger, kommt bearbeitet zurück und wird dem Fertigungsauftrag zugeordnet. Der Lieferant erscheint dabei im Einkauf, nicht in der Werkstatt.
Prüfen Sie, wie BMD diesen Ablauf abbildet:
- Wird der Fremdbearbeitungsschritt als Arbeitsgang im Arbeitsplan geführt, oder als Bestellung?
- Wie wird Beistellmaterial beim Lieferanten bestandsgeführt?
- Wie fließen die Fremdkosten in die Nachkalkulation ein?
Der Zusammenhang mit Lager und Einkauf in BMD ist hier eng, weil das Beistelllager am Ende im Lagerbestand steht und nicht im Fertigungsbereich.
Rückverfolgbarkeit und Qualität
Wer Lebensmittel, Medizinprodukte, Bauteile für die Automobilindustrie oder Maschinen mit Gewährleistungspflicht herstellt, braucht eine lückenlose Rückverfolgbarkeit. Die Warenwirtschaft von BMD unterstützt Chargen, Seriennummern und verschiedene Inventurverfahren. Damit ist das Fundament gelegt: Sie wissen, welche Charge in welchem Auftrag verbraucht und an welchen Kunden geliefert wurde.
Offen bleibt in der Praxis, wie weit die Verfolgung durch mehrere Fertigungsstufen reicht und wie Sie im Rückrufsfall in kurzer Zeit auswerten. Genauso verhält es sich mit der Qualitätssicherung: Prüfpläne, Wareneingangsprüfung, Reklamationen und Maßnahmen sind in den öffentlichen Angaben nicht als Fertigungsmodul beschrieben. Klären Sie, ob ein Standardbaustein genügt, ob die Dokumentation über das DMS läuft oder ob Sie eine zusätzliche Lösung ergänzen.
Wenn Sie ein Zertifizierungsaudit haben, sprechen Sie das früh an. Die Prüfer fragen nach Nachweisen, nicht nach Funktionslisten.
Instandhaltung und Maschinendaten
Wartungsplanung für Maschinen, Betriebsdatenerfassung und Maschinenanbindung gehören bei vielen Fertigern zum Gesamtbild. Für diese Themen nennt BMD in der öffentlichen Beschreibung kein eigenes Fertigungsmodul. Wahrscheinlich ist der Weg über Partnerlösungen und Schnittstellen.
Ein Beispiel für den Ansatz: Mit MOTIONDATA VECTOR führt ein Partner von BMD Lösungen für die Automobilbranche und die Landwirtschaft, mit Archivierung, Exporten in die Kostenrechnung und Zeiterfassung Richtung BMD. Das zeigt die Richtung: BMD bleibt das führende System für Finanzen und Kosten, spezialisierte Software liefert die Daten aus der Werkstatt.
Wie solche Anbindungen technisch laufen, lesen Sie unter Schnittstellen und Anbindungen von BMD. Wenn der Standard nicht reicht, ist die Individualentwicklung für BMD die zweite Option, mit eigenem Pflegeaufwand.
Für welche Betriebe BMD in der Fertigung passt
BMD ist besonders stark, wenn Finanzen, Lohn und Warenwirtschaft den Schwerpunkt bilden und die Produktion daran andockt. Das gilt für Betriebe, die in Österreich verwurzelt sind und mit ihrem Steuerberater eng am BMD-Ökosystem arbeiten.
BMD passt oft, wenn:
- Sie ein überschaubares Produktprogramm mit klaren Stücklisten fertigen, etwa im Metallbau, in der Lebensmittelverarbeitung oder im Handwerksbetrieb mit Serienanteil.
- Ihr Steuerberater schon mit BMD arbeitet und Sie einen durchgängigen Datenfluss in die Buchhaltung wollen.
- Sie Auftrags- und Projektfertigung betreiben und die Nachkalkulation mit Projektzeiten verbinden möchten.
- Lohn, Zeiterfassung und Kostenrechnung in einem System liegen sollen, auch mit Besonderheiten wie der BUAK im Baunebengewerbe.
Prüfen Sie Alternativen, wenn:
- Ihre Fertigung stark variantenreich, konfigurationsgetrieben oder mehrstufig mit Feinplanung ist.
- Sie Maschinendaten in Echtzeit, Prüfpläne und Instandhaltung als zentrale Funktionen im ERP erwarten.
- Mehrere Standorte außerhalb des deutschsprachigen Raums mit eigener Landeslogik zu steuern sind.
In diesen Fällen lohnt der Vergleich mit anderen Systemen, etwa mit Odoo oder Microsoft Dynamics 365 Business Central. Eine fertigungsspezifische Betrachtung finden Sie auch unter ERP für die Fertigung.
Gesetzliche und steuerliche Seite der Fertigung
Auch in der Produktion gelten die Anforderungen an Belege und Buchführung. Wer Rechnungen elektronisch verschickt oder empfängt, muss die E-Rechnung beherrschen; wer an Endkunden mit Barzahlung verkauft, etwa im Werksverkauf, denkt an die Registrierkasse und die RKSV. BMD Kassa nimmt Bargeld, Karten und Gutscheine entgegen und übergibt die Daten automatisch an Lager, Buchhaltung und Kostenrechnung. Den Hintergrund finden Sie im Ratgeber zur E-Rechnung in Österreich.
So gehen Sie vor
Eine tragfähige Entscheidung entsteht in einer festen Reihenfolge:
- Ist-Prozess aufnehmen: Erzeugnisstruktur, Arbeitsgänge, Fremdbearbeitung, Qualitätsvorgaben.
- Anforderungen priorisieren: Was muss das ERP selbst können, was darf eine Zusatzlösung übernehmen?
- Vorführung mit eigenen Daten: ein repräsentatives Erzeugnis von der Stückliste bis zur Rechnung durchspielen.
- Schnittstellen festlegen: Betriebsdaten, Maschinen, CAD oder Shop.
- Einführung planen: Wie die Einführung abläuft, steht unter BMD-Einführung und Projektablauf.
Ein erfahrener Integrator hilft Ihnen bei den Punkten eins bis drei besonders. Wie die Vermittlung funktioniert, erklärt die Seite So funktioniert es. Die Anfrage ist kostenlos und unverbindlich, die Umsetzung übernimmt der Integrator.
Häufige Fragen
Hat BMD ein Produktionsmodul?
Ja. BMD führt die Produktionsplanung als Teil der Warenwirtschaft und des ERP und beschreibt sie mit Kapazitätssteuerung und Materialflüssen. Wie tief Stücklisten, Arbeitspläne und Fertigungsaufträge in Ihrem Fall abgebildet werden, klärt ein Integrator anhand Ihrer Abläufe.
Ist BMD als GPAO für ein Fertigungsunternehmen mit komplexer Variantenfertigung geeignet?
Das hängt von der Komplexität ab. BMD zielt auf kleine und mittlere Produktionsbetriebe; bei stark variantenreicher oder konfigurationsgetriebener Fertigung sollten Sie ein Pflichtenheft erstellen und prüfen lassen, ob der Standard genügt, eine Ergänzung nötig ist oder ein Fertigungs-ERP besser passt.
Wie funktioniert die Rückverfolgbarkeit von Chargen in BMD?
Die Warenwirtschaft von BMD kennt Chargen, Seriennummern und mehrere Lager. Das ist die Grundlage der Rückverfolgung von Material bis zum Kunden. Wie Sie Chargen durch mehrere Fertigungsstufen führen und Rückrufe auswerten, legen Sie im Projekt fest.
Gibt es Lösungen von Partnern für Spezialfälle wie Betriebsdatenerfassung oder Qualität?
BMD arbeitet mit Partnerlösungen, zum Beispiel für die Automobilbranche und die Landwirtschaft mit Zeiterfassung und Exporten in die Kostenrechnung. Für Maschinendaten, Prüfpläne oder Instandhaltung ist die Frage, ob BMD selbst oder eine angebundene Lösung sie abdeckt – das gehört in die Anforderungsliste.
Wie finde ich einen Integrator, der BMD in der Fertigung beherrscht?
Beschreiben Sie Ihre Fertigungsart, Ihre Stückliste und Ihre Schnittstellen in der Anfrage. Wir vermitteln kostenlos an einen Integrator, der zu Ihrem Projekt passt; die Umsetzung übernimmt dieser Integrator, nicht wir.
Quellen
- BMD – Warenwirtschaft
- BMD – ERP
- BMD – Software für Unternehmen (Webshop)
- BMD – Partnerlösungen
Die genannten Softwarenamen sind Marken der jeweiligen Hersteller und dienen ausschließlich der Information. Diese Website ist unabhängig und steht in keiner Verbindung zu den Herstellern.